Potz, Blitz & Donna – „Donna“ von Cassy

cassy+colour+version

Von den scheinbar unentrinnbaren Social Media Verpflichtungen abgesehen, sind die Mitglieder des kleinen aber feinen Zirkels global aktiver Party-Schamanen (vulgo: DJs) die tatsächlich einzigen, denen man die Legende vom Sex-Drugs-und-Rock’n’Roll-Leben noch einigermaßen abnimmt: Als mehr oder minder solitäre Nacht- und Afterhour-Aktivisten sind sie die letzten glaubwürdig mysteriösen Repräsentanten eines Hedonismus, der keineswegs nur unbedenkliche Spätfolgen im Angebot hat. Enter Catherine Britton aka Cassy. Seit spätestens 2003 gilt die Weltenbummlerin als dj-technische Hoffnungsträgerin und neben Miss Kittin, Gayle San, Tania Vulcano, Ellen Alien und, ja verdammt, Monika Kruse als wichtiges Role-Model der weiblichen Diaspora innerhalb der Night-Life-Szene. Für Gender-Studien allerdings ist hier kein Platz. Dafür ist Cassys erstes Album, das kein Mix ist, eine viel zu große Sache.

Cassy
Donna
Aus / Indigo
24. Juni 2016
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HVV

Nachdem es seit ca. 2010 zumindest veröffentlichungstechnisch ziemlich ruhig um die hauptsächlich als DJane aktive Künstlerin geworden war, schlägt die Veröffentlichung ihres Debüt-Albums umso krassere Kawenzmänner. Laut Pressebeileger entstanden unter tatkräftiger Mithilfe von King Britt, finden sich auf "Donna" 12 Tracks, die sich in Anlehnung an den aktuellen Brot für die Welt-Claim am besten so beschreiben lassen: Weniger wär leer.

Ob für diesen Ideal-Zustand King Britt, die überlange Entstehungszeit oder Cassys verblüffend häufiger Vokal-Einsatz verantwortlich zeichnet, ist letztlich müßig. Ebenso wie die Frage, ob das nun Techno, House oder ganz was anderes ist. Und wenn man dann doch glaubt, die Tausendsissi zumindest halbwegs durchdrungen, wenn nicht gar durchschaut zu haben, singt sie: "I guess U know me well, I don't like winter // But I seem 2 get a kick out of doing U cold". Und automatisch fragt man sich: Wie viele Produzenten Alben mit einem gesungenen Prince-Cover es wohl gibt? Oder "Cuando": Ein extrem organisch klingendes Stück Nu-Jazz-Samba, das neben erwartbareren Produktionen à la "Route To Thonon" oder auch "Move" zunächst verloren wirkt, angesichts der soundtechnischen Vielfalt, wie man sie sich zwischen "Without You" und "You Gotta Give" aufspannen hört, aber ganz genau ins Konzept passt.

So gut das alles miteinander aufgeht – "Donna" ist kein Instant-Hit. Das Essentielle an den wenigen verwendeten Klang-Quellen will erhört werden und fliegt eher nicht wie Sturzbomber in die Basilar-Membran. Aber mal ganz ehrlich: Das wäre ja auch noch schöner.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.