Zu schnell vorbei – „Checkpoint Titanium“ von Harrison

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Harrison Hamilton ist 21, wohnt noch bei Klavierlehrerin-Mutti und Schlagzeuger-Vati und hat einen Hund namens Aika. Der Öffentlichkeit dürfte er zunächst mit seinen selten autorisierten Edits und Versionen von Superstar-Hits (West, Williams usw.) aufgefallen sein. Spätestens seit dem kongenialen Musik-Video-Hit „How Can It Be“ ist klar: Der kann’s auch ohne Million-Seller-Pop-Vorlage. Jetzt lässt der Mann aus Toronto sein Debüt-Album auf die Welt los.

Harrison
Checkpoint Titanium
Last Gang Records
 
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Bandcamp

Als klassischer Bedroom-Producer ist Hamilton schnell auf den Trichter gekommen, dass Selber-Singen für ihn und seinen Vokal-Apparat keine Option ist. Kein Wunder, dass sich auf „Checkpoint Titanium“ für jeden zweiten Track Features finden. Den Anfang macht auf der ersten offiziellen Single dieses Releases, „Vertigo“ – ein fluffig-bouncender Pop-Hüpfer, der für NTEIBINT und anderen Eskimo-Releases wahrscheinlich zu wenig balearisch daherkommt - die Sängerin A l l i e. Für „It’s Okay, I Promise“, dem mit Dreiminutensiebenundfünfzig längsten Track des gesamten Albums, hat Hamilton mit dem up-and-coming Rapper Clairmont The Second gemeinsame Sache gemacht. Beat-technisch bleibt das down- bis midtempo-ige Stück eher abstrakt; dafür sind Clairmonts Raps gegenständlicher als Caravaggio-Gemälde.

Harrison - How Can It Be (feat. Maddee) from Last Gang Records on Vimeo.

Groovy, organisch und warm, aber nicht weniger schleppend und stolpernd, geriert sich auch das dritte Vokal-Feature. Young Guv, dessen Organ irgendwo zwischen Donald Fagen und Usher oszilliert, krönt „So Far From Home“. Aber wirklich bemerkenswert ist an dieser Produktion nicht wirklich etwas. Aufsehen erregen tun da eher die beiden Instrumental-Produktionen, die Hamilton ohne Hilfe von außen bewerkstelligt hat. Während er auf „Right Hook“ vor allem auf verschachtelte Rhythmus-Arrangements setzt und bis auf Drums und Bass nur wenig Synthie-Geflirre zulässt, ist „Lotus“ geradezu ein Ausbund an mediterraner Sonnenunter- oder –aufgangs-Feierei – je nachdem, wann man zur Party stößt.

Für die nicht vokalen Kollaborationen erfährt der Noch-Nicht-Zuhaus-Ausgezogene Unterstützung von Produzenten- und Label-Kollege Ryan Hemsworth („Vanilla“) sowie vom wahlverwandten Mentor Seamus Hamilton, den er sich für „Social Stimulus“ an Bord holte. Tja, und dann dauert es nicht mehr lange und das Album ist vorbei. 28 Minuten vergehen auf „Checkpoint Titanium“ wie im Flug. Das ist einerseits eine gute Nachricht, weil Füll-Material wie das Intro und das schon erwähnte „So Far From Home“ die Ausnahme bleibt. Andererseits ist es eine schlichte Frechheit, ein Album anzubieten, das fast auf eine Vinyl-Seite gepresst hätte werden können. Das hat wahrscheinlich auch Hamilton schon geahnt, und lässt sich zumindest versuchsweise auf ein Versöhnungsangebot ein: Der mächtig drückende und trotzdem yoguretten-leichte Titeltrack entschädigt für so einiges.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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