Tiefe Wasser sind laut – „20.000 Meilen unter dem Yeah“ von Captain Gips

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"An meinen Zweifeln nagen Hoffnungen" – bei ansonsten gleicher Qualifikation werden Rapper mit den qualitativ höherwertigen Inneneinsichten bevorzugt. In den Genuß genau dieser Quotenregelung kommt auch Captain Gips, der mit "20.000 Meilen Unter Dem Yeah" sein erstes Album für die Hamburger von Audiolith veröffentlicht.

Captain Gips
20.000 Meilen Unter Dem Yeah
Audiolith / Broken Silence
22. November 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Dass Gips’ "20.000 Meilen Unter Dem Yeah" – immerhin sein drittes Album unter dem eigenen Namen – einer größeren Öffentlichkeit erst jetzt auffällt, hat mit der neuen Labelheimat ebenso zu tun wie mit der Entwicklung, die der muttersprachliche Sprechgesang hierzulande genommen hat. Als Gips sich 2001 anschickte, den Rap-Handschuh des (schon damals) am Boden liegenden Deutschen Hip Hops aufzunehmen, musste sich eben jener (vor allem von Berlinern) allerlei anhören. Die Folge: Vorbestraften-Rap von Möchtegern-Bagaluten. Die fast 10 Jahre währende Regentschaft neigt sich aber bereit seit geraumer Zeit dem Ende. Und inzwischen kann die "Babo"-Fraktion mit den Caspers, Cros und Megalohs einigermaßen friedlich koexistieren. Enter Captain Gips.

All die Jahre hinweg vorwiegend in der Hamburger Szene aktiv, bescherte ihm die politische Auseinandersetzung um das historische Gängeviertel seiner Heimatstadt neues Rap-Futter und damit musikalischen Aufwind. Jetzt noch ein wenig an der Technik gefeilt und fertig ist die Soße. Gesegnet mit einem tenorigem Bariton zwischen Marteria und Flexis, ist er dem Letztgenannten in punkto Rapskills doch wesentlich näher: Rhythmisch vertrackt und höllisch schnell - wie auf dem fantastisch gelungenen "Hug Life" – geht es bei ihm auch textlich deutlich differenzierter zu. So viel selbstkasteiende Introspektive wie auf "Alles Richtig" und "Dance In The Rain" war selten. Wie überlegen Gips’ Flow tatsächlich ist, zeigt sich vor allem auf den wenigen Features des Albums – Kolya, B-Low und Marie Curry können ihm das Wasser nicht im Ansatz reichen.

Was neben der vollmundigen und rundherum gut abgehangenen Produktion noch auffällt – Gips und Audiolith funken nicht nur in Sachen Attitüde gut miteinander. Der Titelsong, "Faust in der Tasche" und ganz besonders "Ohne Euch" passen ganz wunderbar ins Klang-Profil des Labels, das sich ja unter anderem aus Frittenbude, Saalschutz und Mediengruppe Telekommander konstituiert. Dieser Hip-Hop-Not-Hip-Hop Ansatz steht Captain Gips mindestens so gut wie seine Air-Max. Wie er selbst sagt: "Lass Dir nix erzählen, Du hast es richtig gemacht". Schöne Scheibe!

Foto: Maik Carstensen

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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