Nimmerwiedersehen klingt gut – „About Farewell“ von Alela Diane

alela-diane-about-farewell-4604

Aus der Zeit gefallen ist Alela Diane mit Sicherheit nicht. Dass die Cover-Gestaltung ihres inzwischen vierten Albums "About Farewell" dennoch an eine Vorkriegsfotografie erinnert, hängt unzweifelbar auch an Dianes Vintage-Look.

Alela Diane
About Farewell
Rusted Blue / Soulfood
26. Juli 2019
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Was visuell einen eher traditionellen, gar antiquierten Eindruck macht, entpuppt sich auf der Hörspur schnell als klassische Zeitlosigkeit. Spärlich instrumentiert, aber nicht nackt, dreht sich "About Farewell" um eines der ältesten Themen der Welt – das Liebesaus. In Dianes Fall beruhen die Erfahrungen – wie heißt es immer so schön – auf einer wahren Begebenheit: Ihr jetziger Ex-Mann war auf Dianes letztem Album noch Gitarrist der gemeinsamen Band.

Und so ist "About Farewell" in vielerlei Hinsicht auch eine Art Rückbesinnung; und zwar bar jeder Nostalgie. Diane hat nach den einschneidenden Zäsuren ihres Lebenslaufes zurückgefunden zu ihren Anfängen, zurück zu einer Zeit, in der sie nichts zu verlieren hatte, aber alles gewinnen konnte. Mit der Rückbesinnung hat die überwältigende Sängerin es derart ernst gemeint, dass sie gleich auch ihr eigenes Label Rusted Blue gründete, dessen erste Veröffentlichung – wie könnte es anders sein – "About Farewell" heißt.

Nicht weniger naheliegend ist, dass "About Farewell" wohl keinen einzigen Unbeschwertheitspreis gewinnen wird. Lebensfreude buchstabiert man anders. Gleichzeitig klingt das Album aber alles andere als verzweifelt. Vielmehr macht es den Eindruck, als hätte sich Diane erfolgreich mit dem Lebensabschnitt Scheidung auseinandergesetzt, ihn verdaut und hinter sich gebracht. "Erhaben" ist das Wort, nachdem der Autor bis hierher gesucht hat. Diese Erhabenheit durchzieht Dianes künstlerische Präsenz wie Aminosäuren Proteine. Und schlägt sich ganz besonders in ihrer Stimme wieder. Dianes schnörkelloses und luzide-warmes Organ erinnert jeden halbwegs aufmerksamen Hörer daran, was an den Mariah Careys und Beyoncés dieser Welt so unendlich nervt. 

Timbretechnisch angesiedelt zwischen Jennifer Warnes und Eva Cassidy, wenn auch weniger in Richtung Jazz driftend als Erstere und mit deutlich weniger Luft in der Stimme als Letztere, sind es allerdings auch Alela Dianes Texte, die mit Hilfe ihrer Interpretation ein beeindruckendes Profil gewinnen. Weniger ihrer literarischen Qualität wegen, als vielmehr aufgrund ihrer ehrlichen Verbindlichkeit: “I woke up drunk on that basement floor, and then you asked how I would read the score, if you asked me to marry you.” Das ist zwar nicht schön, aber herrlich getextet. Fazit: unbedingt empfehlenswert. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.