Acid, Groove & Nippelkunst – „Wild Crush“ von Archie Bronson Outfit

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Einerseits ist allein schon das Cover – wie heißt es so schön – eine Zumutung: ein LSD-induziertes Psycho-Graffit, das Büste und Brüste einer Halbnackten zeigt, deren linker Nippel wie ein Entenschnabel geformt ist. Andererseits: Was das Archie Bronson Outfit auf ihrem fünften Album "Wild Crush" veranstalten, könnte vermutlich kaum treffender visualisiert werden.

Archie Bronson Outfit
Wild Crush
Domino Records / Good To Go
16. Mai 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Steppenwolf, Love und Cream dürften in der Schnittmenge, aus der sich das Archie Bronson Outfit konstituiert, eine ebenso wichtige Rolle spielen, wie der von Lynyrd Skynyrd und den Allman Brothers beschworene Süden und der von MC5 und den Stooges repräsentierte Rock-Norden der USA. Nicht zu vergessen Clarence Clemons, der als er noch am Leben war überagile Saxophonist Bruce Springsteens E-Street-Band. Wobei: Was das Blasinstrument bei Songs wie "Love To Pin You Down" und "Lori From The Outer Reaches" zu suchen hat, werden Sam Windett, Mark "Arp" Cleveland  und Capitol K rückblickend vielleicht genauso wenig erklären können, wie heuer der Autor. Macht aber verhältnismäßig wenig, weil der Rest – Papp-Drums mit ordentlich Rumms & Groove, schmissige Keith Richards Riffs und ein höchst eigenständig und individuell agierender Bass – den Käse von ganz allein rund macht.

 Wer Zweifel an der eben vorgenommen Verortung hegt, sollte sich in Sachen Riff-Kunst nur einmal "Cluster Up & Hover" antun. Für einen besonders repräsentativern Bass-Einsatz hingegen steht "We Are Floating", bei dem man wohl nicht umsonst den Eindruck hat, dass Gleiten würde allein von der Rhythmusgruppe besorgt. Weil gerade von typischen Klangmerkmalen die Rede war: Der Autor ist noch nicht ganz dahinter gekommen, aber was auch immer Sam Windett an Effekten auf seinen selten stabil wirkenden Vokal-Apparat gelegt hat – Hall, Delay, Spuren-Dopplung – schön ist es nicht. Dafür aber ungemein Profil schärfend. Und Assoziationen mit Rose Hill Drive  weckend.

Das Archie Bronson Outfit wäre wohl keine ordnungsgemäße Acid Rock Combo ohne eine Regel bestätigende Ausnahme: "Glory, Sweat & Flow" klingt dann auch, als hätte man es aus dem bislang unveröffentlichten repertoire der Flying Burrito Brothers wiederbelebt und J Mascis gebeten, ein längliches Solo einzuspielen. Selbstverständlich ohne das Stück auch nur ein einziges Mal gehört zu haben. Immerhin ist dieser Song wie die übrigen acht auch, bemerkenswert kurz. Und der Hör-Horror hält sich in gerade noch akzeptablen Grenzen. Auf dass das Saxophon beim nächsten Album weniger zufällig platziert wird. 

Foto: Arp Cleveland & Dom Garwood 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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