Aight-Genossen – „VTS“ von Velvet Two Stripes

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"Mit 27 sind wir entweder steinreich oder tot." – Sophie Diggelmann ist halt eine waschechte Romantikerin. Noch hat die Frontfrau des Schweizer Vierers gut Reden. Und jede Menge Zeit. Zusammen mit Schwester Sara, Franca Mock und Drummer Carlo Caduff haben die Early Twens gerade mal ihr gleichnamiges Debüt veröffentlicht.

Velvet Two Stripes
VTS
Snowhite / Rough Trade
05. September 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Bislang war das schweizerische Touristen-Idyll St. Gallen vor allem so genannten Business-High-Potentials ein Begriff. Der Ruf der Wirtschafts-Uni überstrahlt sogar das UNESCO-Weltkulturerbe Stiftsbezirk. Mit den Samtenen Zwei Streifern könnte sich das ein- für allemal ändern. Aus ihrer Liebe zu handgemachtem und möglichst dreckigem Blues-Rock haben die beiden Diggelmann-Schwestern und Franca Mocks eine gut abgehangen klingende Tugend gemacht, die sich gerade anschickt, zu einem grundsätzlich anderen Aushängeschild der Eidgenossen zu werden als Gotthard es je (hätte) sein können.

Dabei spielen die im Waschzettel aufgeführten Wahlverwandten eine eher untergeordnete Rolle. Statt nach B.B.King, Janis Joplin und The Ramones klingen die Schweizer Rock'n'Rollas viel eher nach aggressiven ZZ Top (zu „Degüello“-Zeiten), linksradikalem Ted Nugent (gibt es so etwas überhaupt?) und - wenn schon eine weibliche Referenz, dann bitte – Birtha. Wer jetzt allerdings glaubt, die Velvet Two Stripes hätten sich auf ihrem Debüt vor allem mit der musikalischen Vergangenheit beschäftigt, irrt (Die Drum-Machine (nicht nur) auf "Fire" dürfte der dickste Sargnagel für diese Theorie sein). Dass Vorbilder nur in ganz seltenen Fällen aus der Zukunft stammen, ist das eine. Dass Mock und die Diggelmanns mit ihrem blues-getränkten, süd-staaten-erprobten und verzerrtem Aufrührer-Sound eine mittlerweile als klassisch etablierte Spielform des Rock'n'Roll bedienen, das andere.

Aber auch das will gelernt bzw. gekonnt sein. Und nicht auf allen Tracks des mit elf durchschnittlich langen Songs nicht wirklich üppig bestückten Albums glückt den Damen die Vermittlung ihrer Könnerschaft: Auf "789" irritiert der un-straighte Rhythmus, und "Mafia" hat zwar Tiefe, trotz der 2 Minuten 54 aber auch ganz schön Länge. Dank solcher Rausreißer wie "Cloud 7" oder der grandiosen Single "Mad Machine" aber, hält sich das Missvergnügen in Grenzen. Gern würde der Autor noch in Erfahrung bringen, wo der Bass auf "Sex" hin ist und ob das beeindruckende Solo auf "Dead Man" tatsächlich in einem Take eingespielt wurde. Aber: Das klären wir auch noch!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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