Album ohne Mehr – „OK Kid“ von OK Kid

IMG_1294

Das mit Abstand Beste am OK Kid-Debüt ? – Die Tatsache, dass sich das Intro hinter der Album-Mitte versteckt. Der Dreier aus Gießen ist das Gegenteil von auf den Kopf gefallen – aber genau das könnte ihnen noch das Genick brechen.


OK Kid
OK Kid

 
Four Music / Sony Music
5. April 2013

5 / 10

Erhältlich bei:
Amazon | iTunes | Musicload


Nach einem Zeitungsinterview war der Autor geradezu Feuer und Flamme für die sympathisch unprätentiösen Hessen. Auch wenn der Tenor des Artikels sich in der von der Band geäußerten Sehnsucht nach etwas erschöpft, an das selbst ihre Eltern sich nur noch vage erinnern können, und die Lamentiererei über die Generation Ratlosigkeit das neue Wetter ist – ihr unverschwurbeltes Selbstbild und -verständnis als Popmusiker sucht seinesgleichen. Marteria, Cro, Kraftklub und Frittenbude könnten sich diesbezüglich eine dicke Scheibe OK Kid abschneiden. In allen anderen Hinsichten hatten wohl OK Kid das Messer in der Hand.

Ob dieser Querschnitt mehr zu bieten hat als Durchschnitt, das ist jetzt die Frage. Die Antwort lautet: Leider kaum – wer partout zwischen allen Stühlen sitzen will, muss manchmal mit dem Boden Vorlieb nehmen. Das gilt vor allem anderen für Text und Gesang. Frontmann Jonas’ frühe Hip-Hop-Sozialisation macht sich nicht nur beim Text-Vortrag bemerkbar, sondern auch in der Unfähigkeit, das rhythmisch gesprochene Wort in etwas Gesangsähnliches zu überführen. Und so werden Strophe und Refrain mit demselben minimalen Tonumfang bestritten. Was als solches auch Stilmittel sein kann, wirkt über die Länge von 13 Tracks schnell ermüdend. Nicht ganz so schwerwiegend: die "Stets-Bemüht"-Qualität einiger arg gewollt klingender Doppeldeutigkeiten: "Ne gute Line reicht und mir wachsen Flügel" ("Hellwach") oder "Ich bin immer noch in Dir drin, bin gerade erst gekommen“ ("Stadt ohne Meer").

Auf der instrumentalen Ebene hat sich die Scheibenmischerei als sehr viel gelungeneres Experiment erwiesen. Ein eigenes und bisweilen gewöhnungsbedürftiges Klangdesign vermischt Bässe vom Ausmaß Ottfried Fischers mit Papp-Drums aus dem Lego-Baukasten. Immer wieder wird die deutlich elektronische Beat-Basis durch überraschende Akustik-Fetzen (Gitarren auf "Alles oder Nichts Mehr" und "Stadt Ohne Mehr", Tasten auf "Einsatz" und "Mehr Mehr") gebrochen. Und wenn die Rock-Attitüde von "Allein, zu zweit, zu dritt..." – dem besten Song des Albums - für ein paar Tracks mehr gereicht hätte, wäre "OK Kid" womöglich ein großes Werk geworden.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.