Dem Klang nach schon Kardinäle – „All Lost Time“ von The Bishops

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Die Dirk Darmstaedter Matte sitzt, das Crowded House Lächeln auch. Merkwürdig nur, dass, was als Klangstrom aus den Boxen dringt, weder mit poppigem Post-Wave noch mit rockigem Wave-Pop in Verbindung zu bringen ist. Die zwei lustigen Drei von den Bishops spielen nicht nur auf "All Lost Time" in ihrer eigenen Liga.

The Bishops
All Lost Time
Seven Eight Records On The Road Records
21. Oktober 2013
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Zunächst einmal: der Brave-Buben-Anstrich, insbesondere die Prinz Eisenherz Gesichts-Gardine von Drummer Chris McConville, das ist natürlich alles zutiefst subversiv. Nach dem Motto ganz rechts antäuschen und dann scharf links vorbei kokettieren diese einigermaßen vollendeten Instrumentalisten mit ihrem augenscheinlichen Nerd-Image. Denn unter dieser klischee-beladenen Oberfläche arbeiten die Bischöfe an einer himmelfahrtskommando-ähnlichen Mission: die Vereinigung der Talking Headschen Kopflastigkeit mit dem Pathos der Smiths repektive Morrisseys.

Diese Marschrichtung wird schon beim überlangen Eröffnungstrack mehr als deutlich, wenn der exquisite Duo-Gesang dem polternden Schlepp-Beat sowie der lauten Gniedel-Gitarre gegenübergestellt wird. Und setzt sich selbstverständlich auch über das eher unytpische, weil stark tanzbare "Polygonn" durchs ganze Album fort. Dass sich das Trio aber nicht nur in klanglicher Bescheidenheit übt, sondern auch hochmessemäßig aufdrehen kann, zeigt das leicht hektische "All Points Inbetween" – an dessen Stadion-Kompatibilität keinerlei Zweifel bestehen. An den schon eingangs erwähnten instrumentalen Fähigkeiten der drei Musiker genauso wenig: Die Sieben/Achtel-Kür auf "Nowhere To Run" spricht eine unmissverständliche Sprache.

Wie gut sich die Bishops aber auch darauf verstehen, die eigenen Grenzen wenn schon nicht zu sprengen, dann wenigstens gekonnt zu verschieben, zeigt sich insbesondere bei dem rumorenden "Everything Happens For A Reason" - einem Song, der vom Gesang abgesehen, in genau dieser Aufmachung auch auf einem Bloc Party Album hätte erscheinen können. Als auch auf dem neo-country-eskem "Help Me Connect It All", das klingt, als hätte sich Johnny Cash im Amphetamin-Rausch an einem Elf/Achteligen Jazzding versucht. Am Ende dieses großen Albums steht das nicht minder wirkungsvolle "Two Pieces" – auf dessen zweiten Teil man nach Meinung des Rezensenten ruhig hätte verzichten können. Aber gut: irgendwas ist immer.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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