All We Are Is All You Need – „All We Are“ von All We Are

All-We-Are

Der Dreier ist alles andere als eine Seltenheit. In sämtlichen Musikkulturen der Welt gehört diese Besetzungsgröße zum Standard. Die westliche Populärkultur weiß das spätestens seit Cream, The Police und Nirvana. Dass die drei Nicht-Liverpooler aus Liverpool, die sich All We Are nennen, dennoch auf gänzlich anderen musikalischen Pfaden wandeln, zeigt sich nirgendwo eindrucksvoller als auf ihrem selbstbetitelten Debüt.

All We Are
All We Are
Domino Records / Good To Go
30. Januar 2015
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Wie Bassistin Guro und Stehend-Schlagzeuger Richard im JOINMUSIC Interview ausführen, kennen sie und der dritte im Bunde, Gitarren-Spezi Luis, sich vom gemeinsamen Studium an Liverpoole’s Finest, LIPA - Paul McCartneys ehemaliger Schule. Für eine Formation à la "Friday Night in San Francisco" aber fehlten Guro und Richard die Fingerfertigkeiten; für ein Stefan Remmler Trio waren sie zwei Gitarristen zuviel. Aus heutiger Sicht lässt sich zusammenfassen: Was ein Glücksfall für die Popmusikgeschichte. Denn so war die Norwegerin Guro gezwungen, auf den vier-saitigen Bass umzusteigen und der besonders vom Phänomen Rhythmus angetane Ire Richard entdeckte das Schlagzeug für sich. Fertig war AWA.

Was sich schon bei "Feel Safe", der ersten Single-Veröffentlichung vor gut einem Jahr zeigte, hat über die gesamte Länge des "All We Are" Debüts Bestand: Zu dritt entwickeln Guro, Richard und Luis ein Klangpanorama, dem es trotz der übersichtlichen Anzahl an Klangquellen an nichts fehlt. Luis’ prägnantes Pizzicato-Gezupfe, das er mit Flächenschleifen und Loops anreichert (und die für den Synthie-Eindruck verantwortlich sind), Guros bewegliches Hin-und Hergerutsche auf dem Bass-Hals und nicht zuletzt die mit viel Liebe zu noch dem kleinsten Rhythmus-Akzent gespickte Trommelei des Bela B. Wiedergängers Richard – das sind die wichtigsten Zutaten für den delikaten Soundbrei, den All We Are auf ihrem Debüt anrühren. Und am besten nachzuvollziehen bei jenen Songs, die sich in ihrem Verlauf in Sachen Ereignisdichte langsam aber sicher immer weiter in die Höhe schrauben: "I Wear You", "Keep Me Alive" und "Go".

Gleichzeitig gelingt es dem Mann-Frau-Mann-Duo, bei aller Klangfülle aufgeräumt, um nicht zu sagen, transparent und luzide zu klingen: Kein Shaker-Schütteln, kein Winz-Vibrato und keine Synkope, die einem entgeht. Alles ist an genau dem Platz, an den es gehört. Welchen formidablen Höreindruck das macht, erschließt sich vor allem auf den Mid- bis Up-Tempo Nummern auf "All We Are", also der ersten Hälfte des Albums. Namentlich auf "Ebb/Flow", "Stone" und ganz besonders "Honey" – einem Übertrack des All We Are Erstlings. Der sich ganz nebenbei als repräsentativer entpuppt als auf den ersten Blick möglich gehalten: Es ist, als hätten sich die End-Siebziger Bee Gees Caribous "Swim" vorgenommen und das gesamte Album mit ihrer damaligen Backingband neu interpretiert.

Kein Wunder, dass der Autor All We Are feiert wie nichts Gutes. Wenn Groove, Gitarre und Pop-Appeal auf derart kongeniale Weise zusammenfinden, wie zum Beispiel auf "I Wear You", ist der meiste Rest egal. Dass dieser bei den dreien aus Liverpool zu allem Überfluss aber auch noch hinhaut, setzt dem ganzen die Krone auf: Die Gestaltung von Singles- und Album-Artwork einschließlich der Visualisierungen via Video könnten der Klangspur kaum besser entsprechen. Ein vollumfänglich gelungenes Debüt einer Band, von der man hoffentlich nicht zum letzten Mal hört.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.