Alles Muss Rein – „Foxes“ von Captain Capa

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Von den drei Captains auf Audiolith (gibt es ein zweites Label mit derart vielen selbsternannten Schiffslenkern?) sind Captain Capa garantiert die thüringschsten. Mit "Foxes" haben Hannes Naumann und Maik Biermann jetzt ihr zweites Album für Audiolith und ihr drittes insgesamt fertiggestellt.

Captain Capa
Foxes
Audiolith / Broken Silence
25. Oktober 2013
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Elektronika und Thüringen – das geht immer besser unter einen Hut: Kassablanca, Freude am Tanzen, Wighnomy Brothers und Hemmann & Kaden gehören sicherlich zu den prominentesten Eckpfeilern dieses noch immer andauernden Prozesses. Mit Captain Capa im Ohr drängt sich aber noch eine andere Assoziation auf: Northern Lite. Unschwer erkennbar, dass das vor allem an der Sechs-Saiter-Lastigkeit liegt, die Captain Capa mit den eben genannten teilen. Womit auch schon beantwortet wäre, wieso, weshalb und warum die beiden Kapitäne auf dem Audiolith-Dampfer gelandet sind, der ja auch losgezogen ist, um das Pack-Eis zwischen Rock-Attitüde und Elektronik-Sensibilitäten zu brechen.

Was "Foxes" von seinem Vorgänger "Saved My Life" unterschiedet? – Besseres Equipment = saubereres Sounddesign & fetterer Klang = (noch) poppigere Arrangements. Ob daraus noch eine Echo-Nominierung wird, wird sich zeigen. Das Zeug dazu haben Songs wie "As Far As It Goes", "Lambda Core" und natürlich die Vorab-Single "Foxes" auf alle Fälle. Selbst ein nicht offensichtlich hittiger Song wie "Vienna" packt einen regelrecht bei der Gehörmuschel. Für den Auf-Die-12-Track "Ikari" gilt das gleichermaßen, auch wenn der sich teilweise anhört wie Postal Service auf Zuchtbullen-Hormonen. Abgesehen davon, machen Captain Capa einfach ihr Ding. Zwar wirkt die "Alles-Muss-Rein"-Maxime in Sachen Klang nicht immer so souverän wie auf "Arsenic" oder auch "Ghosts" – insbesondere der einzige Feature Track mit Strizi Hasselhoff von Frittenbude – "Wittgensteins Monster" – stellt eine nicht gerade rühmliche Ausnahme dar. Dafür kann man dem Duo aus Bad Frankenhausen nicht den Vorwurf machen, sie würden mit Popmelodien geizen.

Mit "Foxes" gesellen sich Captain Capa Seit an Seit mit anderen Künstlern, die in Sachen Genre-Zugehörigkeit (noch) zwischen Baum und Borke zu hängen scheinen. Ob M83 oder Anoraak, The Naked And The Famous oder vom Rezensenten aus auch Capital Cities – von den Audiolith-Labelkollegen gar nicht erst zu reden. Was "Foxes" bzw. Captain Capa aber unter anderem von der Endgeilheit trennt, das sind jene Ecken und Kanten, die zumindest der Rezensent bei einem Audiolith-Release für erwartbar hält. Leicht ins Ohr reingehen, das ist das Eine. Drinbleiben das Andere.

Foto: Timo Roth

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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