Alles neu macht der Post-Rock – Nihiling mit „Nihiling“

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Zugegeben, die ersten beiden Alben von Nihiling sind an der Rezensentin vorbeigegangen. Hätte sie zwar von ihrer Existenz gehört, dann aber erfahren, dass sie dem Genre "Post-Rock" zugeschrieben werden, wären sie wahrscheinlich dennoch an ihr vorbeigezogen. Dann aber kam der neue Song "Do Not Make Me Axe You Again" um die Ecke und das Interesse für das neue, selbstbetitelte Album und die Band war geweckt.

Nihiling
Nihiling
Kapitän Platte
14. November 2014
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Die Erwartungen zum neuen Album "Nihiling"? Irgendwie gab es die nicht so recht. Gut, es gab den einen, wirklich interessanten Track. Und den Waschzettel zum Album. Der gesteht: die Blütezeit des Post-Rock-Genres ist vorbei, Nihiling aber noch da. Heißt: Nihiling muss irgendetwas anders gemacht haben, wenn sie noch am Start sind. Und das haben sie in der Tat auch. Denn dieses Album ist irgendwie anders. Der Ursprung der Musik sei noch zu hören, habe sich aber weiterentwickelt. Oder, wie die Band sagen würde: ihr Genre ist der "Postrock-Fake". Und da ist was dran. Aber wohin genau sich das Ganze weiterentwickelt hat und was dieser "Postrock-Fake" ist? Schwer zu sagen. Mit Schubladen-Musik haben wir es hier definitiv nicht zu tun. Ein bisschen Electro, ein bisschen Indie, ein bisschen Pop, manchmal auch Jazz. Alles dabei. Und das hat was. Überzeugt aber nicht von vorne bis hinten. Das Album bringt viel Abwechslung mit sich und das macht es interessant. Auch hörenswert. Aber eher jedes Stück für sich. Nicht so recht das große Ganze.

Der Opener "Very Large Telescope" beginnt einnehmend mit langsamer Piano-Musik, mit einzelnen Akkorden, mit einem stetigen, eleganten Melodie-Aufbau, der seinen Höhepunkt mit den E-Gitarren erreicht und dabei vollkommen ohne Gesang auskommt. Das überzeugt, man ist sofort dabei. Es folgt "Plot", ein Song, bei dem das ursprüngliche Genre wohl am ehesten durchkommt. Der Stimme des Sängers Gorka Morales fehlt bei diesem Stück, das sich eher in sich selbst zurückzieht als auszubrechen, leider ein wenig der Nachdruck. Und den hätte es irgendwie gebraucht um zwischen den anderen Stücken nicht unterzugehen, folgt doch als nächstes bereits "Do Not Make Me Axe You Again", der Song, der das Interesse für das gesamte Album weckte. Hier ist die Stimme von Sängerin und Bassistin Alexandra Steinmetzer ziemlich eindringlich, die Annäherung an The XX stimmig, der Einklang des elektronischen Ensembles überzeugend und der Höhepunkt kommt zum richtigen Zeitpunkt. Es folgen "Hips" und "Tragic", beides Stücke, die wie Klangexperimente wirken, das eine in Richtung "Computer-Sound", das andere in Richtung "Jazz-Orchester-Pop" (eine an dieser Stelle angebrachte Wortneuschöpfung). Mit "The Lesson" schließt das Album sehr ähnlich ab, wie es sechs Tracks zuvor begonnen hat. Den "Gesang", der erst bei Minute fünf einsetzt, hätte man sich auch sparen können, ansonsten ein dramatisch-runder Abgang.

Wer sich also Genre-losgelöste Musik anhören möchte und gerne auch mal nach ein oder zwei Stücken schon eine Pause einlegt, um das Album später weiterzuhören, und derjenige, der die Melancholie liebt, der ist bei Nihiling richtig aufgehoben.

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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