Allez, les Bleus! – „Shoplift“ von Birdy Hunt

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Birdy Hunt ist eine Band, deren plötzliches Erscheinen zuerst einmal eine Menge Fragen in den Raum wirft: Was genau wollen uns die Mitglieder mit ihrem Bandnamen "Birdy Hunt" sagen? Wieso genau heißt ihr Album wohl "Shoplift"? Und wieso sieht das Albumcover aus, wie das einer amerikanischen Surf-Rock-Band, obwohl die Band doch aus Frankreich stammt? Fakt ist: wir haben uns aufgrund dessen Gedanken um die Band gemacht und mal ganz genau hingehört. Also: schon einmal alles richtig gemacht!

Birdy Hunt
Shoplift
Deaf Rock Records / Rough Trade
10. April 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Webshop

Ausführliche Recherchen haben zu folgenden Ergebnissen geführt: der Bandname ist in der Tat zweideutig gemeint. Entweder, man stelle sich hier eine verrückte Vogeljagd vor. Oder eine Jagd auf hübsche Mädels. Obwohl die Band angeblich keine Groupies anziehe. Aber vielleicht macht eine Jagd ja auch grade dann Sinn.
Das Album heißt weniger "Shoplift", weil die Band dazu aufruft, in einen Plattenladen zu gehen und ihre Alben zu klauen, sondern bezieht sich dieser Titel eher auf eine Studentenbewegung gegen Junk Food, die sich in Paris gegründet habe. Gut zu wissen.
Und das Cover? Darüber haben wir nichts herausfinden können, aber die Szenerie kann es so ja auch in Frankreich geben. In Nizza zum Beispiel. Und Rock macht die Band ja schließlich auch, wenn auch keinen Surf-Rock. Zudem erfuhren wir über die Band: sie gründete sich 2007 auf einem verlassenen Schloss außerhalb von Paris. Klingt komisch? Ist es auch. Eigentlich kommt die Band aus der Hauptstadt, besonders gerne halten sich die Fünf aber außerhalb der Stadtmauern auf. Und ähnlich funktioniert auch ihre Musik: eigentlich angesiedelt im Pop-Genre – mit bestem Beispiel geht hier der Album-Opener "Snoopy" mit seinem lockeren, aber doch treibenden Start voran – treibt sich die Band vor allem aber auf anderen Genre-Wegen rum. Crazy, trashy, classy, anders, besonders. All das sind Birdy Hunt.

Dass die Band ihre ersten Gigs in London spielte, kommt auch nicht von ungefähr. Diese Indie-Pop-Musik unserer Landesnachbarn mit dem erhöhten Baguette-Konsum könnte auch durchaus von der Insel stammen. Produziert wurde das Album auch tatsächlich in den UK, vollendet dann aber doch in der Heimat, in Straßburg (nein, nicht in Nizza). Ersteres ist eine Tatsache, die sich unter anderem in "First" zeigt, das erst langsam und bedächtig startet um sich dann groß und mystisch aufzubauen – ganz in guter, alter britischer Editors-Manier. "Over You" ist eine poppige Hymne mit Beats und Electro-Sound, während vor allem bei "Ocean" der Indie-Einschlag á la Arkells durchkommt. Textlich handle das Album von Liebe, Freundschaft und Downtown Partys. Das erste Thema ist unverkennbar und taucht in den meisten Texten auf jeden Fall auf – "all I see is you" oder "we can do it slow", das geht in eine eindeutige Richtung. Wann genau allerdings Freundschaft und vor allem Partys behandelt werden, bleibt etwas unklar. Aber wahrscheinlich haben alle drei Themen auch einfach ganz klar miteinander zu tun und das eine geht zwingend ins andere über… "Right Next To Me" bietet dann zudem noch Disco, "Maria" Freude am Mitsingen und "Slow" den Beweis, dass Titel und Musik nicht immer miteinander einhergehen müssen. Die gewisse Melancholie gibt's auch und zwar bei "Stay" und dem Finale "Backseat".

Auch wenn man manchmal glaubt, starke Annäherungen an Phoenix oder Bloc Party zu hören – so nah an die Großen schaffen es die fünf Jungs dann doch noch nicht heran. Aber dennoch: "Shoplift" ist ein überraschendes Album aus der Hauptstadt Frankreichs, das schon jetzt Freude auf den Sommer macht. Die Band selbst beschreibt ihr Album als "Fun tainted with spleen" – und das bringt es tatsächlich ganz gut auf den Punkt, wobei der "Fun" eindeutig überwiegt.       

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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