As We Like It – „Junior vs. Shakespeare“ von Junior

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Die so genannten Kostüm-Schinken gehören zu den am wenigsten favorisierten Film-Genres des Autoren. Gleich hinter den Sarah Jessica Parker-Streifen. Trotzdem: Materialschlachten wie "Troja", "Amadeus" oder "Gladiator" halten ihr Erbe – das Theater – höher als so mancher Arthouse-Film. Ob das Junior mit ihren Shakespeare-Vertonungen "Junior vs. Shakespeare" auch gelingt?

Junior
Junior vs. Shakespeare
Popup / Cargo
28. November 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | Bandcamp | Popup Records

Die Antwort ist so kurz wie bündig: Und ob. Bzw: Mehr als das. "Junior vs. Shakespeare" ist viel mehr als nur die klangliche Entsprechung der Kenneth Branagh Filmographie. Was Ian Fisher und Fabian Kalker im Jahr des 450. Geburtstages von William Shakespeare mit diesem ursprünglich als eine Art Theater-Gala konzipierten Projekt abliefern, ist nicht weniger als ziemlich beeindruckend. Was in diesem speziellen Fall mit Shakespeare gar nicht so viel zu tun hat. Dass dessen Ruf auch vier Jahrhunderte nach seinen so genannten Heydays untadelig ist, sagt eigentlich alles. Nein – in diesem Fall gebührt Junior die ganze Ehre.

Das gilt sowohl für die Stimme von Junior, den amerikanischen Sänger Ian Fisher, auf dessen Konto die Auswahl der Texte geht, als auch für den Berliner Counterpart, den Komponisten und Multiinstrumentalisten Fabian Kalker, der für die sprichwörtliche Vertonung verantwortlich zeichnet. Was ihren Umgang mit dem historischen Material so besonders macht? – Die Absenz jeglicher falschen Bescheidenheit. Kalker ist nicht eingeknickt vor dem Riesen Shakespeare; er hat sich nicht eingelassen auf mittelalterliche Schunkelei bzw. das, wovon wir glauben, dass es das sei. Stattdessen hat er bei "Junior vs. Shakespeare" musikalisch gesehen fast alle Register gezogen (sogar elektronische, wenn auch überschaubar), die Geschichtlichkeit der Thematik dennoch nicht aus den Augen verloren und ein kleines Stück Zeitlosigkeit erschaffen.

Kein Wunder, dass "The Expense of Spirit" und "Take My Love" wie die besten Tracks klingen, die die Cold War Kids nicht mehr schreiben werden. Dass man schon beim nächsten Stück, dem anheimelnden "Mistress Mine", einen ganz anderen, einen bedürftigen und flehentlichen Fisher erlebt; dass der Sänger mit "The Quietus" sogar noch einen drauf setzt; dass die beiden einzigen dem Theaterstück "Was Ihr Wollt" entnommenen Texte, "Come Away Death" und "When That I Was And a Little Tiny Boy", genauso auch von Bob Dylan oder George Ezra hätten kommen können. Einzig und allein die verhältnismäßig kurze Dauer der Tracks (und damit auch des Albums) sowie das zumindest im Digital-Format arg abrupte Ende einiger der sieben Songs geben Grund zum Mäkeln. Und: Mit Daniel Lanois hätte sich das Ergebnis womöglich noch einen Tick anders angehört. Aber keine Bange: Shakespeares Sonett-Vorrat ist noch lang nicht erschöpft.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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