Jack ‚Til You Wack – „Behind The Masks“ von Snuff Crew

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Die Masken – na gut. Entscheidend ist doch, dass das laut Beschreibung auf der eigenen Homepage "2-Mann-Kollektiv" nicht mit Sido oder Deadmau5 sympathisiert, sondern diesbezüglich ganz andere Referenzen anführen könnte: Moodymann und Underground Resistance lassen grüßen. Auch wenn "Behind The Masks" musikalisch eher in Richtung Chicago als Detroit schielt.

Snuff Crew
Behind The Masks
BPitch Control / Rough Trade
25. Oktober 2013
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Und spätestens jetzt, wo klar ist, das die Maskierung nicht als Marketing-Gag sondern als Wir-Stellen-Die-Musik-In-Den-Vordergrund-Maßnahme fungiert, sollte man diesen Hintergrund zusammen mit der Kirche im Dorf lassen. Und die Musik, um die es der Snuff Crew geht, lässt sich mit einem weiteren Snuff-Zitat einigermaßen auf den Punkt bringen: Chicago House, Acid und Italo Disco. Zusammengefasst: Jack-House. Seit 2008 macht das Snuff Crew Duo auch offiziell auf Snuff Crew Duo; seit 2010 sogar mit eigenem Label. Erstaunlich daran ist vor allem, dass Jack House schon als die Snuff Crew sich aus der Taufe hob, kein ganz besonders neues Phänomen mehr war. Als Retro-Fetischisten haben sich die beiden aber nie beschimpfen lassen müssen. Was einerseits für ihren Sound spricht, andererseits aber deutlich macht, dass Hörer-Nostalgie auch vor elektronischer Tanzmusik keinen Halt macht.

Angesichts einer Nummer wie "What Is Electro" allerdings kein Stück verwunderlich. Von der wohltemperierten Klanganlage einmal abgesehen, hätten es wohl nicht einmal Phuture, Chip E. oder Farley Jackmaster Funk klassischer hinbekommen. Ist das, was die Snuff Crew macht, deshalb eine manierierte Stilübung? – Wohl kaum. Man darf davon ausgehen, dass deren klangtechnischer Blick in den Rückspiegel vergleichbar ist mit dem der Sound-Epigonen des Spät-60er und Früh-70er Funk. Ein bestimmter, natürlich auch aus der Begrenztheit der technischen Möglichkeiten resultierender Klangstandard hat sich bei den Snuff Crew Jungs derart in den Gehörgang gebrannt, dass sie scheinbar gar nicht anders können als diesem nachzueifern.

Wesentlich dafür ist unter anderem die Beschränkung auf ausgewählte Klangquellen, darunter so omnipräsent percussive Elemente wie die unvermeidlichen Hand-Claps, Rim-Shots und Snare-Wirbel ("Move Me"). Bedrohlich entwicklungsarme, dafür aber umso wirk-mächtigere Bass-Figuren ("Lights"). Das discoid informierte Stimmungs-Klavier ("Tearing Me Away"). Und natürlich zwei Prisen Acid ("Bass!"). Aus Sicht des Rezensenten macht das die Snuff Crew umso besser, je weniger Kollaborateure mit von der Partie sind. Weswegen "Lights" und "What is Electro" zu Ersten unter Gleichen erklärt werden. 

Foto: Marie Staggat 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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