Beine, Beine & nochmals Beine – „White Women“ von Chromeo

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Daryl Hannah, Kim Basinger, Elisabeth Shue, Kelly LeBrock, Kim Richards, Phoebe Cates, Brooke Shields, Olivia Newton John, Rebecca Demornay, Helen Slater, Kathleen Turner, Bo Derek, Stephanie Seymour – egal, was Chromeo behaupten: Ihre eigentliche Liebe gilt diesen langbeinigen 1980er Ikonen. Das neue Album "White Women" macht das deutlicher denn je.

Chromeo
White Women
Parlophone Label Group / Warner
16. Mai 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Das vor über zwölf Jahren gegründete kanadische Dance-Duo Chromeo ist aber nicht nur wegen des Stelzbein-Fetisches seiner beiden Mitglieder etwas ganz Besonderes: David Macklovitch aka Dave 1 und Patrick Gemayel aka P-Thugg dürften das wohl einzige international erfolgreiche jüdisch-arabische Pop-Projekt überhaupt bilden. Mit lediglich vier Alben in zwölf Jahren gewinnen die beiden zwar keinen Fleiß-Preis – gleichzeitig gibt es wohl keine Band, die das Objekt ihrer Begierde (also: lange Beine) über einen vergleichbar langen Zeitraum so konsequent und derart musikalisch stimmig ausstellt – Manowars Bikini-Amazonen ausgenommen.

Und dennoch: Mehr als alles andere überrascht am neuen Chromeo-Machwerk, was sich am ehesten als Rückbesinnung definieren ließe. Denn sowohl beim Album-Vorgänger "Business Casual", als auch bei dessen Vorgänger "Fancy Footwork" scheinen die beiden Kanadier unter einem gewissen Weiterentwicklungsdruck gestanden zu haben. Ob selbst auferlegt oder nicht – auf "White Women" darf diese Phase als abgehakt gelten. Weniger offensichtliche Retro-Elektronik, mehr Vintage-Disco-Feeling. Keine Zwangsehen mehr zwischen Foreigner-Gitarren-Soli und Cameo-Synthies. Stattdessen Brothers Johnson Bässe, Nile Rogers Gedenkgitarren und die schönsten Keyboard-Flächen seit Imagination, Billy Ocean und Jan Hammer.

Dass Chromeo quasi "Back-To-The-"Needy-Girl"-Roots" sind, ist demnach auch kein Rückschritt, sondern entspringt der Einsicht, dass sie – ob unbewusst oder nicht – der Chromeo-Sound-DNA mit ihrem Debüt-Album näher waren, als sie es sich jemals haben eingestehen wollen. Darüber hinaus bemerkenswert: Noch nie haben Macklovitch und Gemayel mit einer solchen Menge an musikalischen Gästen gearbeitet. Mit Toro Y Moi, Solange und Vampire Weekends Ezra Koenig findet sich auf "White Women" zwar keine einzige weiße Frau; andererseits: Wie hätte das Album mit einer solchen im Studio je fertiggestellt werden können? 

 Foto: Timothy Saccenti

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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