Belgische Spitze – „Brand New Love“ von The Go Find

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Als Fritten- und Bier-Nation ist Belgien längst etabliert. In Sachen Popmusik ist der Viel-Völkerstaat noch nicht soweit - 2 UnlimitedVaya Con Dios und den Dwele-Brüdern zum Trotz. Mit "Brand New Love", dem vierten Album von Dieter Sermeus aka The Go Find könnte sich das möglicherweise ändern.

The Go Find
Brand New Love
Morr Music / Indigo
7. Februar 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

"Everybody’s Waiting For A Miracle" seufzt Sermeus im Album-Opener "Jungle Heart". Was ihn nicht daran hindert, seinen Hörern selbiges schuldig zu bleiben: Das achte Weltwunder ist "Brand New Love" nämlich nicht. Aber dafür sind ja auch andere zuständig. Stattdessen liefern Sermeus und Konsorten ein solides indietronisches Gesellenstück ab, das ebenso von Routine zehrt als es von Souveränität zeugt. Was dennoch mächtig erstaunt ist, dass Sermeus sich nach ziemlich genau 10 Jahren wieder jenen Klang-Dimensionen widmet, mit denen er auf "Miami" einst als Solist debütierte, und von denen auf den letzten beiden Alben zu Gunsten von mehr Bandgefühl und –Sound herzlich wenig zu hören war: Computer meets richtige Instrumente und die 1980er Jahre waren nicht nur schlecht.

Im Dreiländereck zwischen Chad Valley, Anoraak und Kajagoogoo scheinen The Go Find endlich dort angekommen zu sein, wo sie schon immer haben hinwollen – möglicherweise sogar ohne den 10-jährigen Wir-Könnten-Auch-So-Klingen-Wie-The-Whitest-Boy-Alive-Umweg. Darüber hinaus auffällig: "Brand New Love" ist eine langsame Schallplatte. Auch bei korrekt eingestellter Geschwindigkeit retten sich mehr als die Hälfte der insgesamt 10 Tracks eher schleppend ins Ziel. Bei "Your Heart" und "Summer Boys" treiben The Go Find die Entdeckung der Langsamkeit regelrecht auf die Spitze. Und die Hörer brauchen es nicht einmal mit Fassung zu tragen.

Das Faulenzer-Element, die Couch-Potatoe-Perspektive und der Was-Ich-Heutw-Kann-Besorgen-Das-Verschieb-Ich-Eher-Auf-Morgen-Ansatz stehen Band und Album außergewöhnlich gut. Ein nicht unerwünschter Nebeneffekt besteht darin, Sermeus’ wunderschön plastischen Texten noch viel ungestörter zuhören zu können. Mit seinem Stimmvermögen bricht der Belgiers zwar keine Rekorde, aber er trifft die Töne. Die leisen und zwischen den Zeilen stehenden ganz besonders gut. Fazit: Die klangliche Entsprechung zu einem wertvollen Coffee Table Book.   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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