Kurz vor der Hit-Warnung – „Best Blues“ von Small Black

SMALL_BLACK

Und gleich vorweg vorweg: Der Blues im musikalischen Sinn, also robert-johnson-und-john-lee-hooker-mäßig, ist nicht gemeint. Stattdessen dreht sich "Best Blues", das dritte Album der Brooklyner von Small Black, ausschließlich um den Blues im emotionalen Sinn; Best of Feeling Blue sozusagen.

Small Black
Best Blues
Jagjaguwar / Cargo Records
16. Oktober 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | Jagjaguwar

Dass Small Black zum Lachen in den Keller gehen, ist eine Vermutung, die von dem witterungsbedingt weichgezeichneten Cover-Motiv genauso gestützt wird wie von den entrückten Blicken der Bandmitglieder auf dem offiziellen Pressebild. Was nicht heißt, die Musiker seien auch privat total spaßbefreit. Es ist nur so, dass man sich alles Mögliche vorstellen kann, nur nicht, dass Small Black mit The Lonely Island, Tenacious D und Weird Al Yankovic in einem Satz erwähnt werden...

Die unbestrittene Seriosität steht der in Noten gegossenen Melancholie ihrer Songs doch eh viel besser. Oder nähmen Sie Jack Black einen ernst gemeinten Song über den Verlust eines oder einer Lieben ab? Auch sind Small Black weder morbide noch depressiv. Nur ein wenig trauriger als andere. Waren Robert Smiths The Cure ja auch, an die "Between Leos" wohl nicht nur zufällig erinnert. Und längst ist das nicht die einzige Reminiszenz an die besseren Saiten des Popper-Jahrzehnts. "Checkpoints", "No One Wants It To Happen To You" und "Smoke Around The Bend" wecken Erinnerungen an New Order, vor allem an New Order mit Bassman Peter Hook. Wohingegen "The Closer I Look" und auch der Opener "Personal Best" eher in Richtung der Band von Bono und The Edge zu schielen scheinen...

Was Small Black auf so ziemlich sämtlichen Songs ihres aktuellen Albums "Best Blues" besser hinbekommen als alle bislang Genannten, das ist die Zusammenführung und Verschmelzung von Indie-Rock und Synthie-Pop. Wenn auch nicht im Finale um die besten Song des Albums mit von der Partie, wird das sehr schön bei "Big Ideas, Pt.II" und  dem Synthie-Flächenbrand "Back At Belle’s" deutlich: Die gegenseitige Vermischung geht gar soweit, dass beispielsweise die Identifikation von richtigem Schlagzeug auf der einen und einem programmierten Rhythmus auf der anderen Seite zunehmend schwer fällt. Was wiederum dem Gesamtklang eine fast schon unerhörte Homogenität ermöglicht: Alles passt zum und ins Klangspektrum. 

Die akustische Gefälligkeit kostet jedoch: Nämlich Aufmerksamkeit beim Hörer. Denn zum einen trägt sich der wohl-temperierte Klangstrom schnell ab und die Musik wird unfreiwillig zur Klangtapete. Zum anderen steht der warme Wohlklang den von wenig positiven Inhalten geprägten Texten nicht nur gegenüber – er lenkt regelrecht davon ab. Wie ein Euphemismus à la Gewinn-Warnung bzw. Hit-Warnung.

Foto: Alexandra Gavillet 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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