Bewährt – „The Sound Of The 15th Season“ von Sven Väth

Sven_Vaeth

Es gibt nicht viele, die ihren 50. Geburtstag mit  Luciano, DJ Koze und Richie Hawtin feiern. Ganz zu schweigen von den rund 10.000 anderen Gästen. Aber: Geburtstagskind Sven Väth ist ja auch nicht irgendein Jubilar. Und sein Ehrentag längst nicht das einzige Jubiläum. Im 15. Jahr nacheinander veröffentlicht der Cocoon Maestro die neueste Ausgabe seines Sound of the Season Mix.

Sven Väth
The Sound Of The 15th Season
Cocoon Recordings / Alive
21. November 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Die 15. Ausgabe des Väth’schen Sound Of The Season Mix hat der Mann, der inzwischen aussieht wie Peter Lustig, zum Anlass genommen, das seit 14 Jahren mehr oder minder unveränderte Konzept von einer Mix-Doppelpackung (einen für die Prime-Time und einen für die After-Hour) über Bord zu werfen. Das zumindest behauptet die Packungsbeilage und spricht von einem durchgehenden, knapp drei-stündigen Mix – den  zu hören sich die regulären CD-Käufer ganz schön werden strecken müssen: Ohne Mischpult und zwei CDJs wird’s schwer.

Digital sieht das natürlich anders aus. Und dennoch zerfallen diese knapp drei Stunden ganz eindeutig in zwei sehr unterschiedliche Hälften, die ganz zufällig auch den Inhalten der jeweiligen CD entsprechen. Welcher Party-Phase auch immer man die entweder ein oder andere Hälfte zurechnen mag – die erste der beiden CDs - beginnend mit Stimmings "Southern Sun", über Leon Vynehalls "Butterflies" und der "Hachinoko" Kollaboration von Simian Mobile Disco und Roman Flügel, bis hin zu David Augusts "Epikur" – ist die trippigere. Die Tracks sind länger, das Klang-Design experimenteller, die Stimmung psychadelischer. Kurz: Das ist der Pilze-Part. Nicht, dass der Autor daran etwas auszusetzen hätte, aber irgendetwas fehlt. Ecken und Kanten, an denen man sich im positivsten Sinne stoßen, dran oder von mir aus auch drauf hängen bleiben könnte. Gut möglich auch, dass Väths mixtechnische Idiosynkrasien hier hinter ihrer Wirkung zurückbleiben. Denn der Svennemann ist ja ein Behutsam-In-Den-Nächsten-Track-Hinein-Mixer, ein vorsichtiger noch dazu. Härtere Cuts, Übergänge, die weniger smooth als abrupt passieren und trotzdem funktionieren, hätten den etwas zu beliebig vorbeiplätschernden rund 55 Minuten wahrscheinlich gut getan.   

Glücklicherweise besteht aber auch der Sound of the 15 Season aus zwei CDs. Und der zweite Teil ist – würde Koze, der diesen mit seinem "Bad Kingdom"-Remix für Moderat eröffnet, auch sagen – ein anderer Schnack. Das wunderbar extrovertierte und schon deshalb konsequent betitelte "Up" von Benjamin Damage, der bohrende und an Decomposed Subsonic erinnernde Sound von Daniel Stefaniks "Slgns", Planetary Assault Systems aka Luke Slaters fieses Acid-Monster "Future Modular" und natürlich auch die Beigaben der Altmeister Slam und Pig & Dan – das Physische, Bauchige, das klanglich Unerbittliche, von mir aus auch Unentrinnbare an Techno bzw. elektronischer Tanzmusik kommt auf der zweiten Hälfte des Sound of the 15. Season einfach viel besser zur Geltung. Fazit: Sven Väth wird auch in den kommenden Jahren solide Sound of the Seasons raushauen – aber wirklich besser, auch im Sinne von ohrenöffnender werden die nicht.

Foto: Daniel Woeller

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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