Bloß Kein Yoga – „Breaker of Ships“ von Nick Grey

nick grey pic

Es gehört schon ein wenig Schizophrenie dazu, damit sich ein weitgehend als One-Man-Show agierender Musiker wie Nicolai Riccardo Moldoveanu a.k.a. Nick Grey in seinem Künstlernamen mit dem Zusatz "& ... Orchestra" schmückt. Und auch sonst scheint einiges im Leben oder Zeitplan des Künstlers durcheinander geraten zu sein, wird doch das vorliegende, auf seinem eigenen Label Milk & Moon Recordings erscheinende Album "Breaker Of Ships" auf dem Soundcloud-Account des Künstlers für 2013 angekündigt.

Nick Grey & The Random Orchestra
Breaker Of Ships
Milk & Moon Recordings / Cargo Records
27. Juni 2017
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC
 

Doch was sind schon zwei Jahre im Angesicht der Kunst - vor allem, wenn es sich wie hier um grosse und gar zeitlose handelt? Verträumt, dunkel, melancholisch und mysteriös irgendwo zwischen Darkness Falls, Trentemöller, David Lynch und – ja! - R.E.M. in ihren besinnlichen Momenten (s. auch "Low" von ihrem wohlbekanntesten Album "Out Of Time"), begibt sich Nick Grey schon im titelgebenden Stück auf eine elfminütige Reise, die nach dem Verklingen des eigentlichen Songs in hippie-esk, schwebenden Klangexperimenten irgendwo zwischen trippender Esoterik und ProtoCosmic Klaus Schulze'scher Prägung endet, um im Anschluss mit "Of Ghosts & Women" schwermütige Synthieklänge, einfache Preset-Elektrobeats und sehnsuchtsvollen Gesang miteinander zu versöhnen, ohne das sich das Prädikat SynthPop zwingend aufdrängt.

Auf dem träumerisch-balladesken "The Archivist" spielen Gitarre und Begleitung die Hauptrolle, während sich nokturne Unbill und Unrast sich in den dunklen Ecken der oft psychedelisch erscheinenden Grundstimmung verborgen hält. Überraschend weist das Intro des darauffolgenden "Vanisher" durchaus erkennbare Ähnlichkeiten mit dem klassischen Gitarrenlauf aus "Nothing Else Matters" auf, stützt sich statt auf Rock jedoch auf schwer verhallende Downtempo-Beats und flackernden Kerzenschein zu später Stunde, auch wenn elektrifizierte Gitarren durchaus eine Rolle spielen.

Mit "Juliet Of The Spirits" und "Juliet Of The Bones" betritt Nick Grey sakrale Pfade und verknüpft seine Fürbitten mit mehr Downtempo- / Gitarren-Fusionen und gniedelnd aufblitzenden Soli aus der Ära der hochtoupiert LSD-schwangeren Haarprachten, während "Ghost Rain" auf Mystery-Pfaden mit entsprechendem Spoken Word-Intro wandelt und die jahreszeitliche Verortung des Albums final gen Spätherbst verschiebt, bevor der hoch geschätzte Robin Rimbaud a.k.a. Scanner als Remixer "Here Comes The Night" in cineastische Ambientflächen und grossartig programmierte jazzige Beats taucht. 

Eines allerdings bleibt rätselhaft - was es mit der auf dem Cover verewigten Schlussbemerkung "Please Do Not Play This Record During Or After Yoga" auf sich hat.

Foto: Lysandre Cottret

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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