Nicht Ohne – „Brothers And Sisters of The Eternal Son“ von Damien Jurado

DamienJurado

Vor gut 15 Jahren galt Damien Jurado beim damaligen Next Big Thing Label Sub Pop als Next Big Thing. Während Sub Pop immer mehr zum Last Big Thing degeneriert, marschiert Jurado wie unbeirrt weiter – nachzuhören auf seinem aktuellen Album "Brothers And Sisters of The Eternal Son".

Damien Jurado
Brothers And Sisters of The Eternal Son
Secretly Canadian / Cargo Records
17. Januar 2014
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Dass diese Entwicklung weniger gegen Sub Pop als vielmehr für Damien Jurado (und sein neues Label Secretly Canadian) spricht, versteht sich ja fast von allein. Selbstverständlich ist’s dennoch nicht: Weil auch ein so genannter Kritiker-Liebling – korrekterweise: Vorzeige-Kritiker-Liebling – wie Damien Jurado Butter auf’s Brot braucht. Aber: In seiner Heimat Amerika scheinen die wenigen Jurado-Fans noch immer so zahlreich zu sein, dass "Brothers And Sisters of The Eternal Son" vor Anti-Opportunismen nur so strotzt.

Nicht, dass Jurados elftes Album irgendwie unhörbar wäre, geschweige denn einen sonst wie kakophonen Eindruck  macht. Im Gegenteil: Bis auf "Silver Katherine" und "Silver Joy" fußen sämtlich Songs des Albums auf mehr oder minder bombastisch wirkenden Arrangements voller komplexer Streicher- und Vokalsätze. Und insbesondere beim Album-Opener "Magic Number" und der ersten Single "Silver Timothy" referenziert Jurado (möglicherweise unbewusst, aber dafür) unüberhörbar auf einen der Schnittstellen Pioniere zwischen Pop und Klassik, David Axelrod. In Verbindung mit Jurados fragilem Timbre erweisen sich Vergleiche auch mit Colin Blunstone als durchaus fruchtbar. Hollywood-esken Streicher-Schmalz und Klassik-Kitsch sucht man dennoch vergebens. Der Parallelen wie zum Trotz bleibt Jurados Musik eine ungleich größere Herausforderung. Und obwohl "Return To Maraqopa" die mit Abstand fordernste dieser Nummern ist, bedürfen auch "Silver Donna", "Silver Malcolm" und andere des "Erhört-Werdens".

Durch die dichten sowie in-, unter- und übereinander gestapelten Klang-Schichten der Arrangements wird diese Einhör-Arbeit nicht gerade erleichtert. Jurados elliptische und wenig konkrete Texte kommen erschwerend hinzu. Und so bleibt das Fazit von gemischter Qualität. So bewundernswert und respekt-fordernd Jurados musikalischer Anspruch daherkommt, so wenig ist die Nicht-Erfüllung bestimmter Hör-Erwartungshaltungen per se ein Indiz für eine wie auch immer geartete Güte. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet das mit Abstand minimalst arrangierte Stück, "Silver Joy", dasjenige ist, das am schnellsten (und nachhaltigsten) ins Ohr geht. Auf dass Jurado sich beim nächsten Album noch stärker an der Simple-But-Not-Easy-Maxime orientiert. 

Foto: Steve Gullick

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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