Café Americain & French Toast – „The Upper Hand“ von AllttA

AllttA_3_by_Mathieu_Renoult

Wenn die transatlantische Koop klingt, als hätte sie auch aus der Gegend um die nördliche Ostsee stammen können, dann, ja, dann muss ein französischer Turntablist namens 20syl auf den amerikanischen Wortakrobaten Mr. J. Medeiros getroffen sein. Warum die beiden so dermaßen an The Casual Brothers (Cosmic und DJ Embee von den Looptroop Rockers) erinnern, können sie wahrscheinlich selber kaum sagen. Aber selbst wenn diese Assoziation einzig und allein dem Ohr des Betrachters (schiefes Bild!) entspringen sollte – gut ist Allttas Album „The Upper Hand“ trotzdem.

AllttA
The Upper Hand
On And On Records / Cargo Records
24. März 2017
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Webshop

AllttA? – AllttA. A Little Lower Than The Angels. Ja, nun. Gehen wir davon aus, dass es Musik-Projekte gab (gibt und geben wird), die bei der Suche nach einem geeigneten Namen eine etwas glücklichere Hand bewiesen haben. Aber: Wichtig ist ja nicht, was draufsteht, sondern wie’s rausschallt. Die erste Überraschung, die (bei genauerer Kenntnis des Oeuvres beider Künstler eigentlich) doch keine ist: Auf „The Upper Hand“ ist Trap unbekannt verzogen. Trotz Mr. J. Medeiros’ ziemlich vollendeter Spit-Skills (gäbe es einen Rap-Zehnkampf, wäre er ein Kandidat mit Podiums-Garantie) und der nicht minder umfangreichen Producer-Prowess von 20syl, wird das US-Südstaaten-Gewächs Trap nicht gewässert. Im Gegensatz zu fast allen anderen Hip Hop Spezial-Disziplinen. Ob stark sample-basierter Boom-Bap („Bucket“ & „Kinsmen“), post-moderner uptempo Old-School („Million Dreams“), eingängiger Hip Pop („Drugs“ & "Woods“), oder irgendwas Electro-Garage-Steppiges („Match“ & „Paradise Lost“).

Absicht oder nicht – passen tut es. Statt dunkel-düsterer, vor ad-libs nur so strotzender Drogen-Märchen, gibt Mr. J. Medeiros vielsilbig Einblick in das Leben eines kalifornischen Rappers, der seinen ersten Joint im reifen Alten von fast 30 probierte. Kurzum: Sowohl 20syl als auch Medeiros haben im Leben schon mehr erfahren als ständig nur Hustle. Das erweitert nicht nur den Horizont, sondern auch das Vokabular. Und damit auch den Themenbereich, mit dem man sich musikalisch auseinandersetzt.

So gekonnt vielfältig sich das Duo aber in vielerlei Hinsicht zeigt, so sehr muss es auf Albumlänge in Sachen Hooks und anderweitig einfach erinnerungswürdigerer Parts passen. Oder anders ausgedrückt: Viel hilft halt nicht immer viel. 20syls exzellente Beat-Schmiede-Arbeiten und Medeiros außergewöhnliche Rap-Skills stehlen sich bisweilen gegenseitig die Show. Selbst bei dem Ein-Stropher „That Good Ship“ lässt sich das nicht wirklich leugnen. Herausgekommen ist ein außergewöhnliches und klischeefreies Hip Hop-Album zeitgeistigsten Zuschnitts - nur leider knapp unter'm Erinnerungs-Radar.

Foto: Mathieu_Renoult

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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