Champagner reimt sich auf Tanja – Bretterbauers „Bretterbauer“

"Sie ist smooth - und: sie ist tight - und: sie ist zu jedem Scheiß bereit – und"

Wenn Singer/Songwriter Mucke plötzlich klingt wie der Disco-Edit eines Mastodon-Medleys; wenn der Singer der Songwritertruppe sich anhört wie ein singender Dendemann; wenn der Intonation nach nicht mehr zwischen Piefkes und Ex-KUKs unterschieden werden kann; und wenn von einer fünf-köpfigen Band auf offiziellen Pressefotos immer nur vier zu sehen sind – dann haben Bretterbauer wahrscheinlich gerade ihr erstes selbstbetiteltes Album veröffentlicht


Bretterbauer Bretterbauer

 

Global Satellite / Rough Trade 17. August 2012

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Laut einer der anständigsten weil ehrlichsten und unprätentiösesten Waschzettel aka Presseinformationen wo gibt auf dieser Welt, bestehen Bretterbauer aus einer Handvoll Spielplatz-Gspusis, deren Schicksale sich schon früh verabredete hatten, das mit dem aus den Augen zu verlieren hintan zu stellen. Und so fanden Dietmar Wessely, Fabian Müntz, Maximilian Arnold und Jakob Bretterbauer 2009 einmal mehr zueinander, nahmen später den Gitarrero Konstantin Heidler in ihren erlauchten Kreis auf und machten sich an die gemeinsame Arbeit.

Grundlage für "Bretterbauer" waren die von Bretterbauer für ein geplantes Solo-Album komponierten Songs, die sich so sehr nach einer schlagkräftgen Rhythmusgruppe gesehnt zu haben scheinen, dass Bretterbauer sich mit seiner ursprünglichen Idee eines nach kaltem Lagerfeuer-Rauch stinkenden Liedermaching-Albums nicht gegen sie durchsetzen konnte. Ehrlich gesagt kann sich der Autor das markige Organ Bretterbauers auch kaum nur begleitet von sechs Saiten vorstellen. Zwischen Gitarrenwänden, Synthie-Hymnen und verdammt groovigen Keyboard-Licks klingt sie jedenfalls wesentlich eher und daher besser aufgehoben. Und wie so oft, bestätigen das auch in diesem Fall die Ausnahmen. Denn mit "Wir Sind Die Guten" und "Schauspieler" finden sich lediglich zwei Songs, die dem keineswegs immer hehren Ideal des Singer-Songwriter wenigstens ein bisschen näher kommen

Und fast möchte man das sogar auch von den Texten behaupten: "Für mich heißt das Wort zum Sonntag 'Scheiße', das Wort zum Montag 'Mach mal blau'" aus "Wir müssen hier raus" ohne den Rhythmusgruppendruck klänge wie Hannes Wader, der Konstantin Weckers alten Dealer hat ausfindig machen können. Dass man zum Beispiel  "Kleinkariert" anmerkt, in ganz jungen Jahren noch ein Akustik-Klassen-Klampf gewesen zu sein, tut dabei nichts zur Sache. Die Kleinteiligkeit der lyrischen Details lässt sich grad noch ohne Hörlupe wahrnehmen. Bretterbauer spielt mit Worten, aber nicht um des Wortspiels Willen.

Ganz erstaunlich ist dabei, dass die Röhrigkeit der gesanglichen Ausführung sich so dermaßen gut mit den typischen Bretterbauer-Kieksern an den meisten Phrasenenden paart. Das ist nur ganz knapp vorbei an Layne Staley meets Rio Reiser. Und deswegen außergewöhnlich hörbar. Dennoch: nicht alles, was bretterbauert, ist auch gold. Zu nah beieinander die Stampfrezepte, zu verwechselbar die Powerchord-Riffs. Es wird deutlich, dass Bretterbauer für die Texte mehr Zeit hatte, als für deren musikalische Umsetzung und Arrangements. Stichwort: Heiße Nadel.

"Ich glaube, man sollte sich nichts erwarten, aber alles erhoffen", sagt der Bretterbauer höchstpersönlich im Bewegt-Bild-Presse-Informations-Format EPK. Der Autor erwartet vor allem, dass sich seine Hoffnung erfüllt, dies möge nicht das letzte Bretterbauer-Album sein. Denn der träumt von Bretterbauer wenn er schläft.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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