Der Mann mit der Trompete – „Cliquish“ von Leron Thomas

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Es ist schon eine ganze Weile her, dass amerikanische Jazzer in Strömen nach Paris pilgerten, um sich dort ihren Anteil an der europäischen Begeisterung für die amerikanischen Originatoren zu sichern. Runde 50 Jahre nach Donald Byrd wandelt auch der End-Dreißiger Leron Thomas auf den Spuren seines Instrumental-Ahns. "Cliquish" ist bereits sein zehntes Album.

Leron Thomas
Cliquish
Heavenly Sweetness
30. Oktober 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Heavenly Recordings

Wobei: Jazz? – Dass Thomas unzweifelhaft aus der Welt der Improvisationen und Standards stammt, lässt sich angesichts seiner überbordenden Harmonie- und Melodiesprache kaum und insbesondere bei "Park", "Stride" und "Calm Down" überhören. Dennoch würden wohl nur die wenigsten Thomas nach einem "Cliquish"-Hördurchgang ins Jazz-Regal einsortieren. Schon gar nicht, wenn es um den Trompeter Leron Thomas geht – bis auf ganz wenige Ausnahmen findet der auf dem Album so gut wie gar nicht statt. Zur Abwechslung führt der Musiker seine meist drei-köpfige und mehr als an allem anderen an Groove orientierten Rhythmustruppe mit seinem ziemlich unverwechselbaren Organ an.

Apropos: Unverwechselbar. Neben Thomas’ Stimme ist es vor allem Tim Becherands Bass sowie die Produktion von Fabrice Franck Henri aka Guts, die "Cliquish" ein weithin wieder erkennbares Profil geben. Eines, das in Richtung Lonnie Liston Smiths "A Chance For Peace" zeigt, auf Johnny Guitar Watsons Hippie-Funk verweist und R’n’B-Innovatoren wie Georgia Anne MuldrowDudley Perkins und Thundercat in Erinnerung ruft. Es dürfte alles andere als ein Zufall sein, dass sich Thomas auf der "Roleplay"-Single von Bilal unterstützen lässt. Und mit Songs wie "Victorian Walls" und "Mandy Jo" seiner langjährige Verbindung zur Live-R’n’B-Szene als wichtige Inspirations-Quelle gedenkt. Was der Autor von den beinahe schon punkig und deswegen als Ausreißer erscheinenden "Snicker Bar Livish" und "Asako" nicht behaupten möchte.

Mit dem – bezogen auf die Cover-Gestaltung – in Richtung 80-ies schielenden "Cliquish" setzt sich Thomas in den kaum vorhandenen Spalt zwischen Baum und Borke: Für Jazz zu R’n’B, für R’n’B zu Jazz. Natürlich absichtlich. Was am Ende zu Vergleichen mit Donnie Trumpet & The Social Experiment führt – nur, dass die Chance The Rapper Truppe sich demselben Ziel aus der Hip Hop –Ecke nähert. Wo, wie und mit wem man Leron Thomas aber auch immer hinverorten mag – dass der Tausendsassa immer noch einen ästhetischen Haken mehr zu schlagen in der Lage ist, beweist sein gelungenes Jan Hammer-Cover "Don’t You Know" – das letzte Stück vor dem "Introspection" genannten Outro. Gute Platte. Mutig sein wird belohnt. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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