Cool Hand Benjamin – „Power“ von Fryars

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Hallo liebe Kinder. Es ist mal wieder Dienstag. Und wie Ihr ja wisst, gibt's dienstags bei uns immer das Drum-Special. Weil aber Fryars' neues Album "Power" am Falsett-Freitag noch nicht draußen war, holen wir das jetzt nach.

Fryars
Power
Caroline / Universal
14. November 2014
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Als Fryars macht Benjamin Garrett seit zwei Alben ("Power" inklusive“) professionell Musik. Dass zwischen seinem Debüt und dessen jetzt erscheinendem Nachfolger ein halbes Dutzend Jahre liegen, hat vor allem damit zu tun, dass Garretts früheres Label nicht so wollte wie er. Statt sich aber in Konfrontationen und rechtlichen Streitigkeiten aufzureiben, kanalisierte Garrett seine Befindlichkeiten so kreativ wie nur möglich. Und wovon zunächst nur Mika und Lily Allen profitierten, zeigt sich das ganze Ausmaß der Fryars'schen Klangkunst jetzt auf "Power".

Als Mann, der vieles (vielleicht sogar alles) selber macht (und damit Marley Carroll, Toro Y Moi sowie Out Cold nicht nur genre-technisch nahesteht), beeindruckt Garrett zu allererst als Fast-Alles-Könner. Das gilt mitnichten nur für die instrumentalen Aspekte von "Power". Auch nicht für die von ihm verfassten, großartigen Texte. Garretts zweite ist ein vom ersten Ton bis zum letzten Farbpixel durchdachtes Gesamtkunstwerk und damit ein Konzept-Album der dankbarsten Sorte: Ein 46-minütiger Blindfilm, an dem vom Drehbuch, über die Kameraführung bis hin zur Ausstattung und Besetzung alles, aber auch wirklich alles stimmt. Der Soundtrack natürlich auch.

Allein die Klang-Differenz zwischen dem space-igen Engtanz-Schwofer "On Your Own" und dem digital-elektroiden "In My Arms" – den ersten beiden Songs auf "Power" – ist so gewaltig, dass wohl niemand außer Fryars die auf ein- und dieselbe Veröffentlichung gepackt hätte. Damit nicht genug: "Don’t Make It Hard On Yourself" wird von einem Streicher-Ensemble eröffnet, morpht dann in Richtung Previously Unreleased Brian Wilson und entpuppt sich am Ende in Sachen Stimmbänder-Beherrschung als echter Showcase für den begnadeten Sänger Benjamin Garrett – nicht viele können derart elegant zwischen Brust- und Kopfstimme switchen. Und zwar nur, um sich in den anschließenden "Love So Cold" und "Prettiest Ones Fly Highest" einer regelrechten Auto-Tune-Orgie hinzugeben. 

Auf halber Wegstrecke durch das Album wartet mit dem längsten leider auch der (wahrscheinlich) misslungenste Track. "China Voyage" ist ein wenig wie Rufus Wainwright, der nicht weiß, ob er eher nach Antony Hegarty oder David Bowie klingen will. Das, was ansonsten als Klang-Kontur durchgeht, macht sich hier eher wie undefinierbarer Sound-Schleim. Sollte das allerdings die notwendige Voraussetzung für eine zweite, der ersten noch überlegeneren Album-Hälfte sein – bitteschön. Von den musikalischen Großtaten ganz besonders hervorzuheben ist natürlich der Titeltrack "The Power" – ein beatles-esker Pop-Hit per excellence, mit reichlich Assoziationspotential zu Hall & Oates, Rilo Kiley und Colin Blunstone. Machen wir’s kurz: Eines der besten Alben 2014. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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