D.I.S.C.O. Spells Love – „Private Wax, Volume 2“ von Zaf Chowdry

zaf

Sampler sind wie 14 Tage Robinson-Club: Man rümpft die Nase, denn das Original ist dann doch anders. Praktischer geht’s dennoch kaum. Und das gilt nicht nur für’s Kennenlernen und Fuß reinhalten. Im Idealfall wird ja nur kompiliert, was rar (und damit schweineteuer) ist. Dank Zaf Chowdry und seinem "Private Wax, Volume 2" lässt sich jetzt richtig Kohle sparen.

Various Artists compiled by Zaf Chowdry
Private Wax, Volume 2
BBE / Indigo
30. Oktober 2015
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | BBE Shop

Bereits 2012 erschien der Serie erster Teil. In nicht-digitaler Form ist der seit geraumer Zeit vergriffen – Vinyl-Exemplare diese knapp drei Jahre alten Samplers gehen gebraucht für ca. 100,- Euro über den Ladentisch. Crazy Times.

 100,- Euro für einen Vinyl-Tonträger? – Da zuckt Zaf Chowdry nicht mal mit den Schultern. Für die auf "Private Wax, Volume 2" versammelten Original-Perlen hat er ein Vielfaches bezahlt. Darunter natürlich auch Singles oder Maxis mit einer Spieldauer von (nimmt man beide Seiten) manchmal weniger als acht bzw. fünfzehn Minuten. Dem Musik-Connaisseur mit seiner finanziell fatalen Vorliebe für Disco und Artverwandtes zwischen 1975 und 1985 ging es aber weniger um das Zurschaustellen seiner wertvollen Sammlung. Ein gewisser Anteil des Preises alter Vinyl-Scheiben hängt ganz schlicht an ihrer Endlichkeit, ihrer Unwiederbringlichkeit. Insofern hat Chowdry nicht einfach nur ein Schnäppchen-Bundle kuratiert, sondern die von ihm kompilierte Musik erst wiederbelebt und mit der Digitalisierung dann sogar ein bisschen unsterblich gemacht. Wie Archäologen und Dinosaurier-Forscher auch.

Und als wäre das alles nicht schon längst genug – mit seiner Auswahl hat Chowdry bisher nur absoluten Insidern vertraute Namen und Titel auf die Karte gesetzt. Mit der  Entscheidung, noch viel weiter abseits von eh schon abseitigen Pfaden nach vom Aussterben bedrohten musikalischen Kleinoden Ausschau zu halten, steht und fällt dann auch die Besonderheit von "Private Wax, Volume 2". Masters at Work, Jeff Mills und viele, viele andere haben Disco-Sampler bestückt. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass Label-Namen wie West End, Salsoul und Prelude entsprechend heutzutage auch nach Vermächtnis klingen. Chowdry lässt all diese zu Gunsten noch obskurerer Provenienz links liegen. Und konzentriert sich stattdessen auf das schon damals streng limitierte Output sogenannter Privat-Labels, für die Auflagen von weniger als 500 Stück die Regel waren.   

Und obwohl Name-Dropping in diesem speziellen Fall so gar nicht sinnig erscheint – erstens kennt die meisten noch nicht einmal Google und zweitens hat Chowdry auf "Private Wax, Volume 2" liebevolle Kurzbeschreibungen inkludiert – sollen doch zumindest jene Erwähnung finden, die zwei Lux heller strahlen als der Rest. Da wären zum Beispiel Lou Johnsons Ballad-Goes-Disco-Epos "Keep That Fire Burning" – mit über elf Minuten der längste Cut auf der gesamten Compilation. Dann die von Gospel informierte und wahrscheinlich christlich inspirierte The Enlightment Hymne "Burning Flame". Und mit True Feelings’ "Love Me, Love Me" sogar einen Beitrag aus Chowdrys Heimat England. In einem Wort: Kaufbefehl!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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