Dunkelblau Bis Schwarzbunt – „Darker Than Blue“ von Blue Daisy

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Mutant HipHop? Future Depressive Soul? Oder doch irgendwo dazwischen? Mit Darker Than Blue" veröffentlicht der im Norden Londons beheimatete Kwesi Darko a.k.a. Blue Daisy, der sich seit 2009 unter diesem Namen unter anderem auf Labels wie Black Acre und 37 Adventures im weiteren Umfeld der inselbritischen Bassmusik umtreibt, Ende September nicht nur das zweite Album seiner Karriere, sondern wechselt damit auch zum belgischen Label R&S Records, dessen Verdienste um elektronische Musik ebenso legendär wie unumstritten sind.

Blue Daisy
Darker Than Blue
R&S Records / Alive
25. September 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV
 

Und elektronisch geht es, trotz Vokaleinsatz, auch auf diesen zwölf Tracks zu - mit Einflüssen von verschwebter Electronica bis hin zum kurzfristigem Einsatz von mutierten Drum'n'Bass-Passagen ("Daydreaming") über melancholisch-nachdenklichen Sprechgesang mit faszinierendem Ohrwurmpotential im Duett mit Connie Constance ("Alone") und intensive, teils an Tricky erinnernde HipHop-Strukturen, die im Titeltrack "Darker Than Blue" auf psychedelische Gitarrensoli-Fusionen treffen.

Darüberhinaus hält das reduzierte "Six Days" die angenehme, melancholische Rauchigkeit früher Portishead-Werke in Kombination mit psychotisch-verzerrten Spoken Words bereit, "Heroine" wartet mit  dunklen Americana / DesertRock-Vibes auf und "We're All Gonna Die" lässt wütenden Rap auf langsame, jedoch derbe Beats und akustisches Piano treffen, während in "Let's Fly Tonight" ebenjene Pianos dissonant auf instrumental verstimmten Gitarrenblues und eine akustisch generierte Variation von noisigem IllbientHop stossen.

Mit "Gravediggers" liefert Blue Daisy eine beklemmende Fusion von Alt.Blues, Americana und Spoken Words, die dank ihres Hangs zum noisigen Exzess auf Tanzflächen reichlich kaputter Underground Clubs mit ebensolchem Publikum durchaus denkbar ist und auch einer effektvoll inszenierten Splatterszene gut zu Gesicht stünde, während das finale "You & Me" versöhn-, wenn nicht gar im Vergleich besinnlichere Töne anschlägt.

Mit einer Laufzeit von etwas mehr als 39 Minuten zwar am unteren Ende der Albumskala, aber dennoch  ein – wenn auch nicht einfaches – durchaus hörenswertes Werk, das sich aufgrund seiner Eigenarten nicht zwingend für Liebhaber tanzflächentauglicher Bassmusik, dafür besonders für Tricky-Fans empfiehlt.

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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