Das Gegenteil von Zahnschmerzen – „Apollonia“ von Garden City Movement

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Weniger experimentell als die Young Fathers, metrisch nicht ganz so ambitioniert wie Royal Canoe, aber dafür mit mehr zeitgeistig-intelligenter Groove-Sensibilität als den Chainsmokers jemals einfallen will. Das israelische Trio mit dem zwischen Schrebergarten-Referenz und Große-Geste-Symbolik changierenden Namen – Garden City Movement – veröffentlicht mit „Apollonia“ ein Debüt, das bei allen sich anbietenden Vergleichen beeindruckend außergewöhnlich bleibt.

Garden City Movement
Apollonia
BLDG5 / Night Time Stories
16. März 2018
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HVV

Neben zahlreichen anderen Bedeutungszuschreibungen ist „Apollonia“ auch der Name der Schutzheiligen für alle Dental-Belange. Ob Roi Avital (Gesang), Joe Saar (Tasten) and Johnny Sharoni (Percussion) sich bei einer Parodontitis-Behandlung kennengelernt haben? – Man weiß es nicht. Ihre Musik jedenfalls ist das Gegenteil von Zahnschmerzen. Es geht ja schon damit los, dass gefühlt die Hälfte der Produktionen auf „Apollonia“ Instrumentals sind. Für Hook-geschulte Hörer von Taylor Swift und Katy Perry ist das natürlich ein Kapitalverbrechen. Aus Sicht des Verfassers allerdings bewahrt sich Garden City Movement damit das notwendige Mindestmaß musikalischer Ausdrucksfreiheit.

Dass die drei Tel Aviver aber nicht nur gelungene Balearic- und French-House-Ausflüge („Mediterrania“ & „Sans Titre“), glamouröse Mid-Tempo-Stomper („Ueno Park“ – warum noch mal klingt das wie Tristan Bruschs "Fisch"?) und an Madlibs Quasimoto Samples erinnernde Beat-Labor-Ergüsse („For Tomorrow“ – ja, auch J Dilla lässt grüßen) ohne Gesang können, wenn sie denn wollen, das zeigen sie mit der anderen Hälfte ihres grandiosen Langspiel-Debüts. Hervorzuheben sind da insbesondere der dezent an Kavinsky mahnende und elegant pumpende Pop-Kracher „Foreign Affair“, das zwischen Ben Khan und Jai Paul oszillierende „Bitter Moon“ sowie das harmonisch abenteuerlustige „Passion Is A Dying Theme“ und das zumindest im Refrain traditionelle Klangwelten aus Nahost evozierende „Slightly All The Time“.

Auch wenn das alles ungemein geschmackvoll und nicht nur auf der Klangspur ästhetisch gelungen daherkommt – einen roten Faden sucht man vergeblich. Wenn das aber tatsächlich der einzige Vorwurf ist, den man sich hinsichtlich „Apollonia“ zusammenkonstruieren kann, haben Garden City Movement alles, aber auch alles richtig gemacht. Oder wie?

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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