De(e)parture Lounge – Jimpsters „Porchlight And Rockingchairs“

Jimpster aka Jamie Odell shot by Tom Oldham in Essex, UK 5/9/12

Mehr als sechs Jahre ohne Albumveröffentlichung? – Nun, da geht der Trend hin. Justin Timberlake und DJ Koze machen es mit ihren "Lieber-selten-dann-aber-richtig"-Werken vor. Und nach genau diesem Motto verfährt auch Jamie Odell aka Jimpster, dessen aktuelles "Porchlight And Rockingchairs" seine erste Langstrecken-Arbeit seit 2006 ist.

Jimpster
Porchlight And Rockingchairs
Freerange / Rough Trade
24. Mai 2013
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Seinen prominenten Künstlerkollegen alles andere als unähnlich, hat auch Jamie Odell die Zeit zwischen den Alben nicht allein mit Musen-Küssen verbracht. Als gefragter Remixer, gern gebuchter Plattendreher und erfolgreicher Label-A&R dürfte es ihm eher an Zeit gemangelt haben, statt ihrer überdrüssig zu werden. "Porchlight and Rockingchairs" – ganz nebenbei ein ebenso schöner wie außergewöhnlicher Titel – hört man das glücklicherweise nicht an. Ganz im Gegenteil zum konzeptionellen Grundgedanken.

Zu müde, um schlafen zu gehen und alles andere als hochkonzentriert legte Odell den Grundstein für die meisten Tracks auf "Porchlight and Rockingchairs" in den kaum als einladend zu bezeichnenden Wartehallen internationaler Flughäfen. Gefangen in einem Stadium zwischen Jetlag, Kater und Heimflugweh, in einem Land jenseits von Wachen und Schlafen wollte Odell jedes Extrem auf der Achse zwischen Langeweile und Überforderung unbedingt vermeiden. Und so wandelt jeder Song auf dem schmalen Grad zwischen sedierender Klangtapete und aufmerksamkeits-fordernder Kunstmusik.

Von "Cracks In The Pavement", dem einzigen Song, der zeigt, dass ein solche Vorhaben auch misslingen kann, einmal abgesehen, darf sich Jimpster für die restlichen elf Nummern ganz gehörig auf die Schulter klopfen. Und das gilt nicht nur für jene Kompositionen, die der gemeine Hörer eh zum Repertoire eines Deep-House-Spezis wie Jimpster es einer ist zählen würde, namentlich "Hold My Hand", das Titelstück "Porchlight and Rockingchairs" sowie "Towards The Seer". Insbesondere die Downtempo-Nummer "Wanting You" hat es dem Autor angetan, deren Harmonie-Progression übrigens auch Jan Hammer gefallen würde. Apropos: trotz der ausgefeilten Produktion und seiner mittlerweile 23-jährigen Erfahrung als Elektro-Musiker wird  "Porchlight and Rockinchairs" kein Selbstgänger - dazu ist Jimpsters zweites Album zu wenig retro, zu wenig abenteuerlustig, zu wenig irgendwas. Das ist zwar schade, vermutlich aber unvermeidbar. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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