Dem fehlt nichts, gar nichts – „Music For Adverts“ von Lack Of Afro

lack of afro

Adam Gibbons Haarfollikel lassen tatsächlich zu wünschen übrig. Zumindestens dann, wenn man sich wie Gibbons nach formvollendeten Locken sehnt. Aber Obacht: So wie man ein Buch nicht nach seinem Um- bzw. Einschlag beurteilt, sollte man ein Soul-Album nicht nach der Frisur seines Machers bewerten. Siehe auch Lack of Afros "Music For Adverts".

Lack Of Afro
Music For Adverts
Freestyle Records / Groove Attack
14. März 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Für den mitteljungen Britten Gibbons ist "Music For Adverts" bereits das vierte Studioalbum als Lack of Afro. Was nicht nur beweist, dass sich der Multiinstrumentalist  trotz zahlreicher Engagements und Arbeiten für Künstler-Kollegen kreativ nicht ausreichend gefordert fühlt. Mehr als alles andere zeigt sich im Verlauf der Jahre und mit jeder neuen Album-Veröffentlichung aber auch, dass Gibbons in Sachen Wunsch-Sound einen Masterplan zu verfolgen scheint. Bis zur nächsten Veröffentlichung ist diese Entwicklung mit "Music For Adverts" auf ihrem vorläufigen Höhepunkt angelangt.

Keine Angst: Lack of Afro macht noch immer, was ihn schon auf seinem Debüt "Press On" ausgezeichnet hatte: Nach 1960-er und -70-er Jahre klingenden, sample-intensiven Neo-Retro-Soul. Erlaubten die bescheidene Mittel eines Schlafzimmer-Knöppedrehers jedoch zunächst weder richtige Instrumente, noch echte Stimmen, wuchs deren Anteil über die Jahre und Alben in einem Ausmaß, dass die Tracks ohne Gast-Beitrag auf "Music For Adverts"– vier von zwölf - erstmalig in der Minderheit sind. Und bis auf das sich nicht zwischen Bond- oder Shaft-Soundtrack entscheiden könnende "The Contender" handelt es sich bei diesen Stücken ausnahmslos um rhythmusanfällige und percussion-intensive Instrumental-Soul-Funker, deren Grundbestandteile Gibbons mehrheitlich in seinem Studio selbst eingespielt haben wird. "Coco" sticht wegen des entspannten Grooves, dem Kinderkichern und der Sonntag-Morgen-Solo-Trompete besonders hervor. "No Guts, No Glory" wegen seines 7-er Takts.

Für die Hälfte aller Albumsongs setzt Gibbons auf die Dienste seines neuen Lieblings-Vokalisten Jack Tyson-Charles. Der mühelos zwischen Bobby Womack, Al Green und Rupert Holmes mäandernde Soul-Crooner ist mit geradezu unglaublichen Stimmbändern gesegnet. Und wie man vor allem auf der Übernummer und ersten Single "Recipe For Love" nachhören kann, weiß er auch, sie entsprechend zur Geltung zu bringen. Und zwar auch bei weniger anschmiegsamen Nummern, wie beispielsweise dem Eröffnungsmörser "Freedom" oder der Deep-Groove-Hymne "Missing Me". Andere Intensivtäter im Sinne Gibbons sind die ewigen Rap-Kollegahs Herbal-T und Wax. Auch ihre Beiträge auf "Music For Adverts" lassen sich hören. Wobei die Wax-Nummer "Here We Go Again" eine ähnliche Old-School-Atmosphäre heraufbeschwört wie damals die ersten Veröffentlichungen von Jurassic 5.  

Habe ich etwas vergessen?  - Ja. Herauszukriegen, ob Gibbons tatsächlich selber in die Trompete bläst und wer für die effizienten Streichersätze, zum Beispiel auf "Making It Right" verantwortlich zeichnet. Ansonsten: Nur zu empfehlen!  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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