Die 80er sind die neuen 60er – Happy Hands Clubs „Parking Lot“

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Das Wörtchen PowerPop verheißt schon seit Jahren nichts wirklich Gutes mehr. Dabei hatte alles so gut angefangen: Pop mit den eigenen Mitteln schlagen. Die überbordende, sich anbiedernd melodische Süße derart zu überhöhen, dass dabei das klangliche Äquivalent zu Baklava in Sirup entsteht. Und genauso auch im Gehörgang klebt. In diesem Sinne ist das Debütalbum "Parking Lot" der Schweden vom Happy Hands Club gepfeffert. Selbst wenn es sich am Ende um Baclava in Süßstoff-Sirup handelt.


Happy Hands Club
Parking Lot

 

Popup Records / Luxury / Cargo Records
25. Januar 2013

7 / 10

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Das einzige, was dem Power-Pop Ansatz von Ricky Sokhi und seinen Mitstreiterinnen abgeht, ist ein Klavier. Ja, ein Klavier, ein Klavier. Mit könnten sie Ben Folds Five, Okkervil River oder auch Scouting For Girls Konkurrenz machen. So jedoch speisen sich die Kräfte für den Pop-Power aus anderen Quellen: Peter Hook Bässe gepaart mit den träumerischsten der Johnny Marr Riffs.  Was die melodische Verschwendungssucht angeht, muss der Happy Hands Club für einschlägige Vergleiche nicht mal mehr Landesgrenzen überwinden. Kristoffer And The Harbour Heads wären nur einer von vielen möglichen Anhaltspunkten.

Nicht weniger charakteristisch sind die sich unter- und überlagernden, hier zusammen findenden und dort getrennte Wege gehenden Melodielinien. Klar, dass man die The Edge Nachtigall ganz schnell trapsen hört. Zum Glück handelt es sich hierbei um die einzige Übernahme vom dicksten irischen Rockexport durch die Mitglieder des Happy Hands Clubs. Apropos erwähnenswert. Auf dem nicht ganz auf instrumentale Begleitung verzichtenden, so dennoch spärlichst arrangierten Titeltrack ganz am Ende des Albums lässt es sich am besten nachvollziehen: Vielleicht wäre der Club der glücklichen Hände noch glücklicher, würden sie sich ein anderes Sound-Design zu legen. Weg vom Rock im Indie-Rock, hin zum Pop im Indierock. Mehr Anoraak, Chad Valley und Ben Browning und weniger Gitarrenmeierei.

Im Kern scheinen alle sieben Happy Hands Clubber doch am Fluch der Zuspät-Geborenen zu leiden - wenn auch heimlich. Unter anderen Vorzeichen zwar, doch mit einer ähnlich intensiven Wirkung werden die 80er zu den neuen 60er Jahren. Kaum jemand exemplifiziert diese Entwicklung so anschaulich wie der Happy Hands Club.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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