Die Besseren Warpaint – „Live Wild Die Free“ von Vulkano

vulkano pic

Was, bitteschön, rauchen die für Zeug in Schweden? – Was auch immer es ist: Wir sind uns gar nicht so sicher, ob wir das auch schmöken wollen. Fest steht nur, dass Cissi Efraimsson und Lisa Pyk Wirström sich reichlich davon bedient haben müssen. Anders ist das Zustandekommen ihres Debüt-Albums "Live Wild Die Free" kaum zu erklären.

Vulkano
Live Wild Die Free
Those Dancin / SME
3. Februar 2014
9 / 10
Erhältlich bei iTunes

Das geht ja schon beim Cover los. Derart unterirdisch Nicht-Stylisches hat die Welt schon lange nicht mehr gesehen. In Ermangelung eines Spezialisten für Art-Brut ersparen wir uns aber jede tiefenpsychologische Erörterung und widmen uns dem Rest dieses Gesamt-Nicht-Kunstwerkes. "We come from the mountains to spread our disease" konstatieren die beiden Musikerinnen gleich im Album-Opener "Trolls". Das  unüberhörbar nicht-muttersprachliche Englisch, mit dem sie ihr Motto skandieren, ist mitnichten das einzige Element, das an jene segensreichen Zeiten erinnert, in denen die Wunderstimme Björk noch ein Sugarcube war. Die Vokal-Eskapaden der Isländerin bleiben auch für die beiden jungen Schwedinnen unerreicht, aber sowohl Timbre als auch eine gewisse Unerschrockenheit, die Stimmbänder bis an den Rand des Kollapses zu drängen, verfügen über hinreichende Vergleichsmomente.

Davon abgesehen sind Vulkano ein gehöriges Stück mehr anti. Dass Cissi Efraimsson ihr Schlagzeug im Stehen bedient, ist zwar ungewöhnlich, hilft aber nicht wirklich, das Quentchen mehr Punk-Attitüde zu erklären. Die zu großen Teilen absenten Gitarren – Ausnahmen bilden lediglich "Too Young To Die" und "Vulkano" – natürlich auch nicht. Und so ist und bleibt es erstaunlich bis überraschend, wie und dass es den beiden gelingt, ihrer Musik allein mit Trommeln und ein bisschen Fuzz-Bass einen solchen Drive zu verleihen. Noch dazu, wo Lisa Pyk Wirströms Casio-Keyboards ja nur begrenzt system-kritisch wirken können. Sie vermuten, es könne sich dabei um so etwas wie Anfänger-Glück handeln? – Leider vollkommen falsch.

Das Rotzfreche, das vermeintlich unfall-mäßig Unangepasste gehört zum Kalkül wie Stockholm zu Schweden. Ausgefallene Arrangements wie bei den Album-Höhepunkten "Vision Tricks", "Vulkano" und "Jungle" fallen nicht vom Himmel, sondern sind mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ergebnis minutiöser und damit alles andere als zeitunaufwendiger Arbeit. Nach Rock’n’Roll-Swindle riecht es dennoch nicht. Dafür dürfte sich der Mainstream viel zu sehr am Sound und der Erscheinung der beiden Nordlichter stoßen, wenn nicht gar stören. Dass sie anders könnten, wenn sie denn wollten, beweisen Vulkano mit dem besten Track des Albums "Choir of Wolves": Den einzigen Song, der sich als Sofort-Ohrwurm entpuppen könnte, knüppeln die beiden nach gut einer Minute in Grund und Boden. Chapeau: So kann es in 2014 weitergehen. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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