Die Jugend von heute – Reptile Youths „Reptile Youth“

"Reptile Youth is a riot, a dream and a 21st century fuck you dadaism movement." Sagen Reptile Youth über Reptile Youth. Ob ihr selbstbetiteltes Debüt-Album den Erwartungen entspricht, die sie mit einem solchen Bonmot erst recht provozieren, steht inzwischen nicht mehr nur in den Sternen. "Reptile Youth" ist draußen.


Reptile Youth Reptile Youth

 

Hfn music / Rough Trade 21. September 2012

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Sänger Mads Damsgaard Kristiansen und Bassist Esben Valløe sind in Kopenhagen zu Hause und nannten sich vor noch nicht allzu langer Zeit Reptile and Retard. Und das ist natürlich alles andere als politisch korrekt. Solange die beiden ihren musikalischen Schrecken mehr oder weniger daheim verbreiteten, dürften sie damit gerade noch durchgekommen sein – auf internationaler Ebene allerdings ist Minderheiten-Schutz ein ganz anderes Thema. Dann doch eher Butthole Surfers. Und nun zurück zum Thema.

Wenn man den einschlägig Informierten Glauben schenken darf, dann ist die Reptile Youth-Erfahrung ohne einen Live-Gig der beiden nicht vollständig. Ob auf dem letztjährigen Reeperbahn-Festival, Clubs in Japan oder sonstwo auf der Welt: Reptile Youth sind gekommen, um zu feiern. Wenn der Club nach einem Gig noch steht, ist was schiefgelaufen. Klar ist aber auch, dass eine solche Bestimmung sich in der Regel nur schwer bis gar nicht auf Album-Länge abbilden lässt. Ob das auch bei Reptile Youth der Fall ist? – Jein.

Eines lässt sich schon jetzt konzedieren: für’s heimische Wohnzimmer ist ihr Debüt-Album nix. Die Vokabel "Gediegen" wurde extra für das Album aus dem Vokabular der beiden gestrichen – semi-Ausnahmen sind "A Flash In The Forest", "It’s Easy To Lose Yourself" und der Bonus-Track "Fragile But Possible". Ansonsten bietet "Reptile Youth" ein solides Potpourri aus den Scissor Sisters, Justice und The Rapture. Als Duo Infernale besetzen sie auf eigentümliche Weise die Schnittstelle zwischen den Toxic Twins und Hall & Oates. Und irgendwie so sehen sie auch aus. Wenig überraschen dürfte zudem, dass eine Großteil der Tracks von der prominenten Zurschaustellung der instrumentalen Fähigkeiten beider Bandmitglieder lebt. Kristiansen ist ein exzellenter Sänger, bei dem manches stimmliche Ornament weniger mehr wäre. Dennoch: Seine Kaprizen zwischen Brust- und Kopfstimme, die Ad-Libs im Legato-Rausch – sehr beeindruckend. Valløe sorgt mit seinen Licks dafür, dass der Bass sich von seiner Verdammnis als Hintergrund-Fundament emanzipiert. Peter Hook und John Entwistle lassen grüßen.

An die ganz große musikalische Sensation allerdings reichen Reptile Youth mit ihrem Debüt nicht heran. Dass sie zur noch immer ausstehenden Versöhnung von Rock und Tanz einen wichtigen Beitrag leisten, bleibt davon unbenommen. Und einmal mehr wirft das nicht gerade gängige Duo aus Sänger und Bass die Frage auf – was ist da los in Skandinavien? Dabei sind Trentemøller und WhoMadeWho ja nur ein paar wenige der dänischen Landsmänner und -frauen. Vom Rest der nordischen Schwestern und Brüder ganz zu schweigen. Ist das wegen des Sozialstaats oder hat das mit der Kälte zu tun. Vielleicht einfach abwarten. Nach der Erderwärmung können wir vielleicht wenigstens eines von der Liste streichen. Bis dahin lässt sich zu Reptile Youth am besten: abhotten!

photo: Karen Rosetzsky

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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