Die Sense-Männer – „Why Make Sense“ von Hot Chip

Hot Chip_credit Steve Gullick_hires4

"Over and Over" ist für Hot Chip noch gar nichts. Auch nicht nach 15 Jahren. Im Gegenteil. Wie "Why Make Sense" eindrucksvoll beweist, haben die fünf hippen Pop-Erneuerer um ihre beiden Häuptlinge Alexis Taylor und Joe Goddard nach anderthalb Jahrzehnten zu alten Stärken zurückgefunden.

Hot Chip
Why Make Sense
Domino Records / Good To Go
15. Mai 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Weil Prognosen immer dann besonders schwierig sind, wenn sie die Zukunft betreffen, lässt sich heute (und eben rückblickend) sehr viel leichter sagen, dass diese Entwicklung bereits mit der letzten Album-Veröffentlichung "In Our Heads" ihren Anfang nahm. Denn auch dieser Langspieler erschien bereits auf Domino. Und wie wichtig das Thema Korrektes Label tatsächlich ist, bestätigte sich auch in unserem Interview mit der Band. Aber hier wird abgeschweift. Es geht um Hot Chip und nicht um Hot Chips Label.

Der im Pop-Zirkus längst etablierte Briten-Fünfer klingt auf seinem neuen Album so lässig und geerdet wie schon lange nicht mehr. Und obwohl es sich rein rhythmisch betrachtet um das wohl vielseitigste Hot Chip Album überhaupt handelt, wirkt die Song-Zusammenstellung homogener, das Tracklisting stringenter und der Spagat zwischen den Genres weniger gewagt. Aus einem Guss könnte man formulieren, wäre das nicht so ein ausdruckstechnischer Stuss. Alternativ: Was die Klangorientierung anlangt, haben sich Hot Chip für "Why Make Sense" statt an ein unerreichbares Ideal à la Alles Was Geil Ist an einen recht einfach zu überblickenden Zeitraum gehalten: Der Übergang zwischen den 1970er zu den 1980er Jahren. Nicht ohne Grund: Die Ursprünge der beiden aktuell alles andere beherrschenden Genres – Hip Hop und Dance – liegen genau in dieser Zeit. Wie jetzt: Hip Hop? – Dazu später.

Streng genommen enthält "Why Make Sense" mit "Need You Now" nur einen einzigen 4-2-The-Floor-Banger. Der Rest ist – bis auf die balladesken "White Wine And Fried Chicken" und "So much further to go" sowie die Art-Rock-Pathétique des Titelstücks – mehr oder minder funky Breakbeats. Und zwar mit ganz vielen Sound-Referenzen an die Periode zwischen 1977 und 1983. "Huarache Lights" gedenkt Kraftwerk und Zapp, während sich "Cry For You", "Started Right" und ganz besonders "Easy To Get" Stevie Wonder und Gwen "All This Love That I’m Giving" McCrae vorknöpfen. "Dark Night" ist eine etwas sehr modern geratene Verbeugung vor den Blue Eyed Soul Heroen im Stile Boz Scaggs und Michael McDonalds. Bleibt nur noch "Love Is The Future" – der erste Hot Chip Track mit einer De La Soul-Strophe. Womit wir das Thema Hip Hop auch schon wieder abgehakt hätten. Pos macht seine Sache super – ein Rap-Album wird den Insel-Weißbroten wahrscheinlich doch nicht in die Tüte kommen.

"Why Make Sense" zeichnet sich allerdings noch durch ein weiteres Detail aus. Hot Chip haben ihren Sound gefunden. Mit Instrumental–Wizzard Rob Smoughton und Schlagzeugerin Sarah Jones haben sie die Live-Besetzung auch im Studio am Start gehabt und die beiden tragen ein Großteil dazu bei, dass Hot Chip auch ohne Alexis Taylors Stimme wiedererkennbar bleiben: Eine fast perfekt Balance von organischen und digital-elektronischen Klangquellen, Refrains, die beim ersten Hören wie Fremdkörper wirken, aber schon beim zweiten Durchgang als das kann man ja gar nicht anders machen rüberkommen. Warum der Autor nichts zu den Texten beizubringen hat? – Weil das im Interview steht. Empfehlung: Käuflich erwerben!

Foto: Steve Gullick

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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