Tor des Monats – „Dinking In The Shadows of Zizou“ von Bastien Keb

bastien keb pic

Nein, Bastien Keb hat keine Rechtschreibschwäche. Auch sein Label -  One Handed Music -  hat sich orthographisch nichts zu schulden kommen lassen. Und trotzdem wirkt Kebs aktuelles Album irgendwie fehlerhaft. Also nicht das Album, sondern sein Titel: "Dinking in The Shadows of Zizou".

 

Bastien Keb
Dinking In The Shadows of Zizou
One Handed Music
25. September 2015
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Bandcamp

 

Ist ja klar: Weil’s "R" fehlt. In "Dinking". Aber: Tatsächlich fehlt’s natürlich nicht. Laut Urban Dictionary bedeutet "dinking" nämlich: "Keeping yourself occupied and trying not to die from boredom." So gesehen entpuppt sich Bastien Keb als grandioser Untertreiber. Wenn Alben wie "Dinking In The Shadows Of Zizou" lediglich als das Produkt von Langeweile-Vermeidungs-Strategien entstehen, möchten wir uns gar nicht vorstellen, was alles passieren kann, wenn Keb sich mal wirklich was vornimmt.

Zurück zum Thema. Im richtigen Leben ist Keb vorrangig als Jingle-Komponist tätig. Und entweder füllt ihn sein Job nicht aus, oder aber es bedarf eines kreativen Gegengewichts, um der einseitig zweckorientierten Tätigkeit überhaupt noch etwas abgewinnen zu können. Was auch immer es am Ende sein mag: "Dinking In The Shadows of Zizou" ist alles mögliche. Nur keine Funktionsmusik. Damit kann Keb hinter dem ersten Etappen-Ziel schon mal einen Haken setzen. Wenn auch noch stimmt, was der beiliegende Waschzettel – auch Produktbeweihräucherungs-Traktat geschimpft – behauptet, dann hat Keb sich die Songs auf "Dinking In the Shadows of Zizou" nicht nur alleine ausgedacht, sondern sämtlich Aufnahmen auch im Alleingang realisiert. Das ist nicht nur respektabel und setzt den multi-instrumentalen Engländer auf eine Stufe mit Prince, Lenny Kravitz und Mocky. Gerade Letztgenannter ist es, der einem vor allem wegen des kürzlich veröffentlichten "Key Change" Albums wie Kebs Äquivalent von der anderen Seite des Atlantiks erscheint.

In erster Linie ist dem natürlich so, weil großartige Songs wie "Down River", "Chicken Stomp" und natürlich das fantastische "Beat Without A Heart" dieselbe organische Wärme atmen. Und sich damit ganz klar als Fans der 1970er-Grooves im Stile Curtis Mayfields, Willie Hutchs oder auch Donny Hathaways outen. Dass die Kombination aus Funk-Gitarre, Bläsern und einer entsprechend schwingenden Rhythmus-Gruppe ihren Teil dazu beiträgt, ist quasi selbstverständlich. Mit "Blurs", "Hum", "Doodlebag" und "Peardrops" beweist sich Keb aber auch auf experimentellerem Terrain als Könner. Die teils gewagte Mischung aus Willie Mitchell, Don Cherry und Sun-Ra kommt aber in 2015 gut an. Zumal mit "Love Just Died Tonight" auch ein Track enthalten ist, der Keb wegen des Klangdesigns und dem offenkundigen Einsatz einer Beatmaschine sehr viel eher in die Nähe moderner Beat-Macher vom Schlage eines Nicolas Jaar rückt. Einzig das fast in sich zusammenfallende "Down Shoe Gum" kommt komisch rüber. Komisch im Sinne von seltsam. Wie die Zinedine Zidane Referenz im Titel des Albums übrigens auch.

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