18 Gänge, 2 Sterne – „DJ Kicks“ von Seth Troxler

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Ob Fest-, Vinyl- oder Herd-Platte: Hauptsache, Troxler darf Sachen zusammenmischen und daraus eine Entität eigenen Rechts schaffen. Jetzt hat der Mann, der Magda zum ersten Mal im zarten Jüngelchen-Alter von nur 15 Jahren für eine Party in Detroit gebucht haben soll, sich an der wohl wichtigsten Mix-Reihe der vergangenen 25 Jahre als Chef versucht. Troxlers "DJ Kicks" ist weniger Molekular-Küche als die Ausgabe seines Vorgängers DJ Koze. Ein veritabler Ohrenschmaus bleibt sie trotzdem.

Seth Troxler
DJ Kicks
K7 / Indigo
16. Oktober 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Wenn Troxler, einer der gleichzeitig charismatischsten und enigmatischsten Figuren des globalen Dance-Music Zirkus, nicht gerade Tracks produziert, ein Label gründet oder eine Compilation wie die 51. Ausgabe der DJ-Kicks-Reihe kompiliert, dann findet man den Freigeist entweder auf dem Bio-Markt oder gleich in der Küche. Dass der begeisterte Hobby-Koch den Schritt zum professionellen Restaurant-Besitzer wagte, ist nach drei konsekutiv gewonnen Amsterdam Dance Event DJ Cook-Offs nur allzu verständlich (ausgerechnet diese Kochshow wird nicht im TV gezeigt...).

Als DJ gehört Troxler zur Minderheit derer, die den DJ-technischen Catenaccio strikt ablehnen. Mit seinem Selbstverständnis als Musik-Schamane ist das Play Safe keine Option. Und genau diese Rolle spielt der Sound-Conaisseur auch auf seiner DJ-Kicks Ausgabe. 18 Gänge stark, serviert der Klangküchenchef darauf so ziemlich alles zwischen Surf und Turf noch so passt: Phil Parnells vegane Version von Herberts "Suddenly", Vegetarisches vom Bruder im Geiste – DJ Koze ("Bodenweich"), Toast Hawai-mäßige Klassiker von Byron Stingily ("Why Can’t You Be Real?") und Derrick Carter ("Dreaming Again"), bis zur klanglichen Entsprechung von Roquefort-Eis mit gebratener Schokolade in Form von Sun Ras "Enlightenment".

Schwerpunkte gibt es dennoch. Und dass Troxler als früher Augen- und Ohrenzeuge der Szenen Detroits und Chicagos eine Vorliebe für Klassiker hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Fast unnötig zu erwähnen, dass es ihm auch auf seinem DJ-Kicks-Mix gelingt, Perlen aus der Versenkung zu holen, die nachfolgenden Generationen ohne Goldgräber wie ihn möglicherweise komplett vorenthalten geblieben wären. Erster unter Gleichen ist in dieser Hinsicht vor allem das 20 Jahre alte "Ohh" von Mood II Swing feat. John Ciafone. Der Sun-Ra Abschluss wirkt zwar ein wenig gewollt, fügt sich aber nahtlos in die Mix-Dramaturgie ein. Schön.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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