Donna-Wetter – „Una Donna“ von Carolina Bubbico

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Ihren ersten Langspieler veröffentlichte die italienische Tausendsissi Carolina Bubbico als sie alt genug war, in den USA legal Alkohol zu kaufen. Inzwischen ist die 1990 geborene Apulin 26 und die damalige Band – Lola & The Lovers – existiert nur noch als Discogs-Eintrag. Von der Veröffentlichung weitere Alben hat das die Klavier und zig andere Instrumente spielende Sängerin nicht abgehalten. Mit "Una Donna" erschien bereits im letzten Jahr ihr mittlerweile zweites Album.

Carolina Bubbico
Una Donna
Workin' Label
18. September 2015
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Webshop

Warum es rund 12 Monate dauerte, bis diese Nachricht auch beim Autoren ankam? – Ja, nun. Der Brenner ist schließlich dicht. Und da sich der Autor mitnichten für ein super-individuelles Einzel-Schicksal hält, dürften auch andere offene Ohren mit dieser Rezension eingerannt werden. Wohlan.

Aus einer mehr als nur musikalischen Familie stammend, scheint früh klar gewesen zu sein, dass Carolina Bubbico ganz besondere Talente mit auf den Lebensweg bekommen hatte: Die Multi-Instrumentalistin, die neben dem Klavier unter anderem auch noch Geige, Cello und Schlagzeug beherrscht, ist in punkto Komposition und Arrangement mindestens genauso beschlagen. Und jetzt singt sie auch noch. Seit zwei Alben. Der Welt bleibt nichts anderes übrig, als sich nach dem Release von "Una Donna" zu fragen: Was soll da jetzt noch kommen?

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Denn auch für die Bubbico dürfte es alles andere als selbstverständlich sein, die Latte Sergey Bubka mäßig mit jeder neuen Veröffentlichung immer noch höher zu legen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass "Una Donna" sich nur wegen der fast schon bodenlos frechen zu nennenden Kürze für weniger als die volle Punktzahl qualifiziert: Neun Songs auf insgesamt nur 33 Minuten? – Kürzer ist ja nur noch ein Ejaculatio Praecox. Ansonsten? - Reibt sich der Autor auch nach dem x-ten Hördurchgang verwundert die Ohren: Selbst wenn Titel wie "Quando fuori piove", "La Vita è tutta mia" und das Elektronik-Experiment „Snob Fox“ das individuelle Geschmacksprofil nicht 100%-ig treffen – weglassen kann man da bei keinem einzigen der Stücke etwas. Dank der im Grunde für ein Trio basis-arrangierten Strukturen, die im Einzelfall mit Streicher- oder Bläsersätzen vervollständigt werden, bestätigt sich der Eindruck: Weder fehlt hier was, noch herrscht Abundanz.

Das wohl gelungenste Beispiel für diesen – nennen wir ihn – Bubbico-Style ist die Video Single "Cos’è che c’è". Nicht nur, dass die Nummer groovt wie Hölle; mit ihrem ebenso schnörkellos und deswegen um so effizienteren Gesang gelingt es Bubbico, dieses aus deutscher Sicht (ich weiß doch auch nicht, wie ich es am besten ausdrücken soll) typisch Italienische zwischen Ramazotti, Jovanotti und Paolo Conte zu evozieren und heraufzubeschwören, ohne sich darin zu verlieren. Das Sopran-Sax auf "Le Mani Ti Raccontano", die fein ziselierten Rhythmen von "Distrattamante" und "Etilady", aber auch das in einen Siebener-Rhythmus überführte Stevie Wonder Cover "Superstitious" – mit meinen/unseren Klischees irgendwo zwischen Power-Ballade und Italo-Disco hat das alles nichts zu tun

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Dafür aber um so mehr mit anderen, klischee-untauglichen italienischen Vertretern von Groove-Musik. Sei es Franko Micalizzi, Luca Sapio oder Nicola Conte. Carolina Bubbicos zweites Album "Una Donna" ist das musikalisch absolut überzeugende Dokument einer Frau, die reif genug ist zu wissen, was sie kann und will. Attraktiver und sexier geht nicht. Selbst ohne Fotos.

Fotos: Flavioe Frank

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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