Egersdörfer aus Kanada – „Rosy Maze“ von Marker Starling

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Beim letzten Album nannte sich Chris A. Cummings noch Mantler. Allerdings war er damals noch komplett auf sich alleine gestellt. Für "Rosy Maze" taufte sich das ehemalige Piano-Wunderkind auf Marker Starling, nahm sich die Mitmusiker Jay Anderson und Matt McLaren zur Brust und nahm 13 Songs auf, die so Blue Eyed Soul sind wie aus der Zeit gefallen. 

Marker Starling
Rosy Maze
Tin Angel Records / Indigo
03. April 2015
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | Amazon | Bandcamp

Bei reichlich Lavalampen-Licht betrachtet, hätte der ein oder andere Cut von Marker Starlings "Rosy Maze" auch hervorragend auf die 2014 von DJ Supermarkt aka Marcus Liesenfeld kompilierte "Too Slow To Disco"-Reihe gepasst ("Only Speak Your Name") – der dort als Yacht-Rock definierte Soul von Weißen ist genau sein Ding. Vice versa gilt: Wer an Ned Doheny, Ambrosia und Rupert Holmes Gefallen findet, dem werden auch Songs wie "Husbands" im Gehörgang schmeicheln.

Dabei ist Marker Starling mit seiner jazzig zurückhaltenden Art und dem leicht gepressten Gesang vor allem ein Wiedergänger des ewigen Songwriters Michael Franks. Davon zeugen nicht zuletzt die auf "Rosy Maze" alles andere als seltenen Balladen wie zum Beispiel "Heed The Call", "Bright As Day" und "Painful Spring". Klangfarben-Wahlverwandtschaften oder Timbre-Ähnlichkeiten allerdings sind bei Weitem nicht alles, was den Kanadier Starling mit dem 25 Jahre älteren Amerikaner verbindet; ihr Songwriting weist erstaunliche Parallelen auf, die sich in der Regel bzw. in den meisten Fällen bei den Texten bemerkbar machen: Keine Möchtegern-Poesie und verschwurbelte Kunstsprache, sondern an Selbst-Ironie nicht sparende Liebes- und andere Lebensgeschichten, quasi das Gegenteil von formvollendetem Battle-Rap.

Das macht Starling keineswegs zu einer tragischen Figur, obwohl die am weitesten verbreiteten Vorurteile das beim Anblick des Künstlers in seinen Lieblingsposen schon nahelegen. Ein wenig Matthias Egersdörfer aber steckt schon in ihm. Gut möglich, dass auch Von Spar das so sahen, die ihn als Sänger für vier von insgesamt acht Songs ihres großartig gelungen Albums "Streetlife" engagierten. Wobei es da wohl weniger um Starlings komödiantisches als um sein sangliches Talent gegangen sein dürfte...

Und das enttäuscht auch auf "Rosy Maze" nicht – das Problem ist nur, dass man dem Album seine budgeteren Beschränkungen anhört. Kann sein, dass gerade diese Woolworth-Atmosphäre die Mantler-Fans anspricht – dem etwas gestenreicheren Blue Eyed Soul, der ja auch vor Streichern, Bläsern und überhaupt großen Ensembles nicht zurückschreckt, steht der Billigheimer-Klang nicht. Bis auf drei Ausnahmen bleibt's deshalb bei: Leider nur gut gemeint.   

Foto: Colin Medley

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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