Ein ungewöhnliches Best-of-Debüt – „Tonight“ von Jonas Alaska

jonasalaska.jpg w=350&h=200&crop=1

In seiner Heimat Norwegen wird der Sänger und Songwriter Jonas Alaska schon als Star gefeiert – seine Alben verkauften sich mehr als 15.000 Mal (Goldstatus!) und auch mit dem "norwegischen Grammy", dem Spellemannprisen als bester Newcomer, wurde er schon ausgezeichnet. Das lässt natürlich einiges erwarten, um ehrlich zu sein.

Jonas Alaska
Tonight
popup-records
20. Februar 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Damit wir Deutschen (und Österreicher und Schweizer) bei unserer langsam, aber sicheren Annäherung und Entdeckung nicht direkt von zwei Alben auf einmal erschlagen werden, hat man schon eine gewisse Vorarbeit für uns geleistet und aus den bisher nur in Skandinavien veröffentlichten Alben "Jonas Alaska" und "If Only As A Ghost" nun quasi das Best-Of-Debüt (verrückter Name, coole Idee) "Tonight" zusammengeschnürrt. Vielen Dank dafür. Was das Paket zu bieten hat? Vor allem Alternative-Pop und eine gesunde Mischung aus Akustik-Gitarre, Piano und Gesang. Eine Mischung aus fröhlich-leicht-beschwingten Popsongs mit dem gewissen Etwas an 60er-Jahre Charme und melancholischen Folk-Songs. Nicht ganz so gesund, überwiegen doch die ersteren, obwohl die letzteren doch eigentlich etwas stärker sind.

Dass die melancholischeren, ruhigeren Songs wie "If Only As A Ghost" und "October" eigentlich die stärkeren auf dem Album sind, liegt daran, dass sie so natürlich daherkommen, der Fokus auf dem Gitarrenspiel und der Stimme, liegt, und die Texte sehr direkt und einnehmend sind. Und auch, weil das Zuhören etwas leichter gemacht ist. Viele der fröhlichen, 60er-70er-Jahre-angehauchten Popsongs gehen direkt mit Gesang und viel Tamtam los und man wird regelrecht überrumpelt - ehe man sich gefangen hat, ist der Song dann auch schon wieder vorbei. Ein etwas melodiöserer und  langsamerer Einstieg hätte somit also nicht nur das Zuhören entspannt, sondern auch das leider recht kurz ausgefallene Album etwas verlängert. Aber gut, daran braucht man jetzt nicht rumzunölen, das wird der Künstler wohl bewusst für sich und seine Stücke entschieden haben. Und in Skandinavien hat das ja funktioniert. Insgesamt lohnt sich das Zuhören aber, so viel sei gesagt. Denn musikalisch-talentiert, das ist der Herr Alaska.

Er schreibt Texte, die sehr direkt, sehr authentisch und sehr ergreifend sind. Diese Texte präsentiert er dann mit einer ausdrucksstarken und ungewöhnlichen Stimme, die immer mal wieder und zur Freude aller durch weitere großartige Harmoniestimmen, nämlich die seiner Freunde Mikhael Paskalev, Thom Hell und Billie Van, unterstützt wird. Mikhael und Jonas studierten zusammen am Liverpool Institute For Performing Arts (wir erwähnen fasziniert, muss eine super Institution sein: dort lernte sich auch das All We Are-Trio kennen). Diesen Gesangstalenten gilt es beim Opener "Tonight", der dadurch einen ganz schönen Hippie-Einschlag bekommt, zu lauschen. Und auch beim direkten und ebenfalls sehr folkig-poppigen "Come On And Dance" und bei "I Saw You Kid", das zum Mitsingen und seltsamerweise auf die Bühne einer Komödie einlädt (obwohl der Text erst einmal gar nicht danach klingt, die peitschende Motivationsmusik dafür umso mehr). Darüber hinaus komponiert er dann noch Musik, die eine Vielfalt und Emotionalität aufweist, dass man eigentlich nicht meckern kann. Das Gitarrenspiel gehört dabei zu seinen Steckenpfereden und dieses pure, emotionale Gezupfe wie zum Beispiel bei "If Only As A Ghost"  lässt mit Sicherheit keinen Zuhörer unberührt. Am Piano hat er zudem ein weiteres Talent sitzen, sodass die Songs entweder süßlich untermalt oder eindringlich nach vorne getrieben werden.  Hinzu kommen dann noch ein beschwingter Bass, ein flottes Schlagzeug und bei manchen Tracks noch zusätzliche Instrumente wie eine Mundharmonika (ja, einen Hauch von Country wie in "How Could I Forget" gibt's auch) - und die Nummern kommen insgesamt rund, rhythmisch und stimmig daher. Dass die Songs funktionieren, das beweisen auch die vielen Live-Videos, bei denen auch klar wird: der Bob Dylan-Vergleich ist unvermeidlich.

Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt geht auf diesem Album alles. Das sorgt für Abwechslung. Beschwingt und hippie-positiv-treibend überwiegt dabei nur leider, wobei von bluesig-melancholisch-verträumt, zum Beispiel von dem M. Ward-stimmgewaltigen "Poor Little Me" und vor allem von dem großartigen "If Only As A Ghost", ruhig ein wenig mehr hätte sein können. Aber die Rosinen, die so gerne herausgepickt werden, schmecken ja auch nicht jedem.

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.