Einmal „Inji“-ziert biste abhängig – „Inji“ von LA Priest

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Soso – ein selbsternannter Exzentriker, der sich mit Feldforschungstrips nach Grönland von seiner eigentlichen Leidenschaft – Musik, was sonst – lossagen möchte, um über eben jene Distanz wieder zu ihr (und sich selbst) zurückzufinden. Wem auch immer dieser im Album-Beipackzettel abgedruckte Hirnfurz entfleucht ist – Sam Dust aka LA Priest sollte öfter in der Arktis forschen: "Inji" ist ein ganz großer Wurf.

LA Priest
Inji
Domino Records / Good To Go
26. Juni 2018
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Amazon

Warum? – Weil Dust bzw. LA Priest es auf "Inji" ganz formidabel verstanden hat, seine vielseitigen musikalischen Befindlichkeiten unter einen einzigen Hut zu kriegen – und seien diese noch so unterschiedlich. Zusammengehalten wird das klingende Sammelsurium durch ein Sound-Design, das homogener kaum sein könnte. Nach dem Motto Viele Wege führen aus Rom hinaus, lässt Dust den immer gleichen oder zumindest sich stark ähnelnden Klang-Pool in so gut wie jedem Song nach einem anderen Einfluss klingen.

Dass der Album-Opener "Occasion" nach dem kleinen Kaiser vom Paisley Park klingt, ist kein Wunder: Sowohl die Gitarre als auch der Gesang Dusts emulieren den Blockbuster-Balladen–Style des laufenden Meters auf fast schon unheimliche Weise. Die Wärme der Klanggestaltung allerdings erinnert eher an die Commodores zu Lionel Richie Zeiten. Sobald Dust aber vom Stimmbrand-Pressing und das Falsett so rein wie möglich erklingen lässt, drängen sich andere Assoziation auf, so wie auf "Lady’s In Trouble With The Law" (Hall & Oates) oder "Oino" (Hot Chip und XTC). Apropos Hot Chip: Nicht nur, dass Priest und die Post-Popper Label-Kollegen sind – auf dem besten Track von "Inji" – "Party Zute/ Learning To Love" hätte auch Alexis Taylor discoid jodeln können – gemerkt hätte den Unterschied wahrscheinlich nur Joe Goddard...

Hatte der Autor schon erwähnt, dass "Party Zute/ Learning To Love" wie der Roosevelt-Remix eines unveröffentlichten Basement Jaxx Hits daher schwingt? – Und wo wir schon bei den Engländern sind – wenn das instrumentale "Lorry Park" keine inoffizielle Hommage an Matthew Herbert im Allgemeinen und dessen "You Saw It All" im Speziellen ist – dann, ja dann was weiß denn ich schon. Der auch an John Tejada erinnernde Tetris-Soundtrack "Nighttrain" überzeugt nicht auf der ganzen Linie, anders als der singende Bass vom angenehm trippigen "Fabby" und die Auf-Pilzen-Zeitraffer "A Good Sign". Grönland hin oder her – Sam Dusts Gehirnwindungen sind an genau den richtigen Stellen vereist. Entweder bist Du cool, oder nicht. Da helfen auch keine Schneeschuhe.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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