Einsteigen, bitte! – „Ersatzverkehr“ von Figub Brazlevič

Figub_Brazlevic_1_by_AnthonyKurtz.com

Remix-Alben von geremixten Künstlern gibt es zuhauf. Und in der Regel steigt der Klo-Faktor mit der Anzahl der Remixer. Ganz anders hingegen Remix-Alben von ein und demselben Remixer: Ob Matthew Herbert, die Wighnomy Brothers oder Jazzanova – grundsätzlich befindet sich Figub Brazlevič mit seinem Remix-Album "Ersatzverkehr" also in bester Gesellschaft.

Figub Brazlevič
Ersatzverkehr
Showdown Records / Groove Attack
30. Mai 2014
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Um das gleich vorwegzunehmen: Auch "Ersatzverkehr" hält, was die Statistik verspricht. Für das 19 Tracks starke Album standen so viele MCs hinter'm Mikro wie der Tag Stunden hat – von den insgesamt acht gefeatureten DJs ganz zu schweigen. Dass dennoch alles nach einer unverkennbaren Handschrift klingt, ist einzig und allein der Verdienst Figub Brazlevičs. Wie Obelix damals in den kraftspendenden Zaubertrank, scheint der Berliner Produzent irgendwann in das Golden Era-Taufbecken abgetaucht zu sein. Seitdem zeichnet er für einige der schönsten Beats von die ganze große Welt verantwortlich.

Was Brazlevičs Beat-Schmiede ganz konkret auszeichnet? – Luftige Jazz-Piano-Samples, anheimelnde 2-Takte-Fender-Rhodes-Loops, Saxophon-Licks wie von einem Straßenmusiker aus Harlem, Zitat-Scratches und – eigentlich das Wichtigste - ein schier unerschöpfliches Reservoir an Boom-Bap-Beats. Und auf einmal knipst die Erinnerung das Licht an: Artifacts, Lords Of The Underground, KRS-One, Poor Righteous Teachers, Gangstarr, ja sogar Eins, Zwos "Gefährliches Halbwissen", Nico Suaves "Vergesslich" und Doppelkopfs "Von Abseits" sind Teil der legendären Hip Hop Armada, der anzugehören sich mit "Ersatzverkehr" auch Figub Brazlevič anschickt. Während sich also die geneigte Hörerschaft in Richtung Schleudertrauma kopfnickt, macht das Remix-Album des Produzenten aus Berlin ganz en passant noch auf einen anderen Punkt aufmerksam.

Wer, verdammt noch mal, sind diese Rapper? – Warum weiß der Mainstream bescheid über Sido, Genetikk, Haftbefehl und ganz viele Bosse, aber so gut wie nichts von Döll, dem Plusmacher, Mortis und Marten McFly? Warum ist Jan Delays Hinterwäldler-Gülle-Rock in aller Munde, aber nicht der Erste-Sahne-Hip Hop von Fatoni, Imun und Tufu sowie Keno & Maniac? – Da darf sich der Autor ruhig an die eigene Hochnase fassen. Insofern sammelt Figub Brazlevičs "Ersatzverkehr" nicht nur musikalisch einen Dreier nach dem anderen, sondern erfüllt auch noch einen kultur-pädagogischen Auftrag. Mehr kann und darf man von einem Remix-Sampler-Compilation-Ding nun wirklich nicht erwarten. Volle Punktzahl.

Foto: Anthony Kurtz

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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