Es ist kompliziert – „Seven Dreams of Fire“ von Lydmor & Bon Homme

lydmor-and-bon-homme

Dazwischen. Ein seltsamer Zustand. Weder das eine, noch das andere. Ein Verharren, Orientieren, Abwarten. Oder alles zugleich wollen, aber keine Richtung wirklich einschlagen. Aber mit welchem Ergebnis?

Und irgendwie dazwischen sind auch Lydmor & Bon Homme, mit bürgerlichen Namen Jenny Rossander und Tomas Høffding, seines Zeichens auch bekannt als Sänger und Bassist des dänischen Exportschlagers WhoMadeWho, die dieser Tage ihr gemeinsames Debutalbum "Seven Dreams Of Fire" auf dem Hamburger Label hfn music abliefern. Ein Label, das sich – denkt man an ebenfalls dort beheimatete Projekte wie Human Woman oder Faded Ranger sowie an die fast schon obligatorischen, clubmusik-orientierten Remixalben für eher im Indie verortete Acts wie Darkness Falls oder Reptile Youth – scheinbar ebenfalls in einer Dazwischen-Zone verortet und mit einem Fuß auf der Elektronik- und mit dem anderen auf der Indie-Tanzfläche steht, ohne sich wirklich eindeutig verorten zu wollen. 

Lydmor & Bon Homme
Seven Dreams of Fire
Hfn Music / Rough Trade
06. November 2015
5 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC
 

Entsprechend verwundert es auch nicht, dass sich auf "Seven Dreams Of Fire" mit "The Things We Do For Love" synth-schwangerer, etwas überkitschter IndiePop mit einem clubbigen 4/4-Takt paart, bevor der "Rooper" RomanticHouse, Widescreen-Panoramastreicher mit naiv-anmutenden Gesangslinien versöhnt und der "Dream Of Fire" sich mit erheblich angezogener Geschwindigkeit irgendwo im Dunstkreis von Miami Vice-beeinflusstem ElektroPop und frühlingshafter Indie-Anmutung bewegt und damit als Einzeltrack auch den noch restexistenten Fans von so genanntem ElectroClash zu gefallen wüsste – wenn die Endsequenz nicht einfach uninspiriert ausgeblendet würde, um das Radioformat von unter 4 Minuten zu halten. 

Weiter geht es mit "Go Finger Go", einer Ballade deren Synth-Hauptmotiv fast wie aus dem Soundtrack eines 80er Asia-Films entnommen wirkt, während die spacig-glitzernde Bassline zuweilen Erinnerungen an Produzenten wie Com Truise weckt. Auch mit dem folgenden "Flash" bleibt es ruhig und mit viel Hall  Pop-bezogen, wobei hier der weiträumig-flächige Unterbau partiell knapp neben der angepielten Tonlage zu liegen scheint und durch seine schiere Opulenz dem eigentlich energetischen Uptempo-Refrain den nötigen Raum zum Atmen nimmt. Hier kommt die alte Produzentenweisheit zum Tragen, dass weniger eben doch manchmal mehr ist. 

Mit dem wahrlich epischen "Wired" schaffen Lydmor & Bon Homme tatsächlich zur Halbzeit einen temporeduzierten Space-Hit, in dem wirklich alle Elemente sinnig und passgenau ineinander greifen und so das wahre Potential dieser Formation enthüllen, das sich auch in den geisterhaft gefilterten Introvocals von "Vanity" widerspiegelt, dessen quirky Groove, ebenfalls hitverdächtigen Gesangslinien und hundertfach geschichteten Synthesizern man sich wahrlich nur schwer entziehen kann.

Das "Trampoline" dient tatsächlich als Sprungbrett zurück auf die glitzerbedeckte Clubtanzfläche, um sich im Refrain überraschend mainstream-orientiertem ElectroPop à la Icona Pop zuzuwenden, "Tear Us  Apart Again" kontrastiert einen dunkel reduzierten und tief basslastigen, an 80er Wave erinnernden Drummachine-Unterbau mit im direkten Vergleich überaus fröhlichen Stabs und keineswegs moody wirkenden Vocals, während "Rain" sich vollends in ASMR-Vocals und kitschiger Cosmic-Melancholie ergeht, bevor "Missed Out On Disco" sich mit seiner prägnanten Drei-Ton-Melodie in der 80er Common-Place-Zitatehölle verliert und wie schon zuvor in "Flash" die geshouteten Sequenzen mit Breitband-Reverb erstickt.

Als CD- / Digitalbonus finden sich zusätzlich der Indie-SpacePop-Tune "Dream Of Fire Part 2" und das passend betitelte Ambient- / Synth-Reprise "End", welches als würdiger Albumabschluss vor bei Fans von frühen Elektronikgrossmeistern wie Jean-Michel Jarre durchaus Anklang finden dürfte, bei detaillierter Betrachtung jedoch auch nicht wesentlich zur sinnvollen Verortung des Gesamtwerkes beiträgt.

Wäre dieses Album ein Facebook-Beziehungsstatus, wäre "Es ist kompliziert" wohl die passendste aller verfügbaren Varianten.

Foto: Morten Rygaard 

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.