Es war einmal ein Troublemaker – „Phantom“ von DJ Oil

djoil

"DJ Oil? Who the fuck is... ?" - dieser oder ein ähnlicher Gedanke mag sich beim ersten Satz des Waschzettels zu Lionel Corsini's zweitem Langspieler unter eben diesem künstlerischen Alias kurzzeitig aufdrängen, wird aber spätestens durch die folgende Erwähnung der legendären Troublemakers vor der vollen Ausreifung erstickt, als deren Mitglied Corsini vor Jahren auf hochgelobten Labels wie Guidance oder auch Blue Note veröffentlichte.

DJ Oil
Phantom
BBE / Indigo
16. Januar 2015
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Unter diesen Vorzeichen werden schon vor Einlegen des Silberlings Erwartungshaltungen geschürt, die musikalisch in Richtung Downtempo, HipHop-affiner Dopeness und House-Anleihen deuten, eine dichte, sampleschwangere Atmosphäre vorausahnen sowie die wohlige Anmutung von Soul und klassischen Vintage-Synthesizern im Vorwege implizieren. Zu recht, wie schon die ersten drei Tracks des "Phantom"-Albums unter Beweis  stellen und mit dem Ghetto-Talk ("Dem niggaz ain't playin'....") des House/ HipHop-Hybriden "Afrotress" einen ersten Ohrwurm für die gepflegte Tanzfläche liefern, die mit dem folgenden Latino-/TexMex-Tune "Paolo" erstmals richtig in Schwung kommt, da hier sowohl Tempo als auch Groove merklich anziehen. 

Im Folgenden findet sich knochentrockener, mit langen Monologsequenzen und diversen Funkreferenzen angereicherter House ("Seasons"), der sich im Club allerdings aufgrund der sehr speziellen, weitgehend unsequenzierten Verwendung der Vocals als eher sperrig erweist, balearisch angehauchter, angenehm aber etwas ziellos mäandernder Dub ("Echoism"), verführerisch tiefgehender Oldskool-HipHop mit unverkennbarem Hitpotential ("Beetlejuice"), sowie bassverliebte, leicht orientalisch-angehauchte Dub-BigBeats ("Plastic Man"), die schon zu Zeiten der legendären Dope On Plastic-Helden Kitachi ihre Wirkung auf der Tanzfläche nicht verfehlt hätten.

Mit "Burn It" geht es noch einmal in spiralisierend-hypnotische MinimalHouse-Gefilde, die mit nahezu endlosen Filter- und Modulationsschleifen auf der Basis jazziger Grundnoten jeden Primetime-Floor ins ekstatische Nirvana schiessen, bevor somnambul-souliger TripHop ("New Lord") und mit esoterisch-überzuckerten Vocals versehener Downtempo-Pop das Ende von "Phantom" einläuten, das seinen Namen der geisterhaften Existenz der zwölf hier versammelten Tracks auf Lionel Corsini's Festplatte verdankt. 

Auch wenn Corsini als DJ Oil mit "Phantom" sicherlich nicht an glorreiche Troublemakers-Zeiten anknüpfen kann und sich zuweilen in Belanglosigkeiten verliert, dürfte er mit diesem Album bei Fans des mittlerweile etwas aus dem Fokus geratenen Lounge-Sounds auf offene Ohren und Herzen stossen, zumal sich die Releasefrequenz von reinen Artistalben in diesem Genre in den letzten Jahren erheblich verringert hat.

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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