Ewig währt am längsten – „Immunity“ von Jon Hopkins

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Im richtigen Leben ist Jon Hopkins ein Hinter-den-Kulissen-Macher, wie er im Buche stehen sollte. Als Soundtrack-Komponist und Produzent für Künstler vom Range eines Brian Eno überlässt er das Rampenlicht gern anderen. Mit "Immunity", dem vierten Album unter eigenem Namen wird er wohl nicht drum herum kommen.   

Jon Hopkins
Immunity
Domino Records / Good To Go
31. Mai 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Es ist ja nicht so, als würde Hopkins das Spotlight scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Weltweit zig-fach nominiert für diverse Musikpreise weiß der Schaltpläne-Könner nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn die Früchte der eigenen Arbeit von einem großen Publikum auch entsprechend geschätzt werden. Dass sich mit "Immunity" die Nachhaltigkeit dieser Wertschätzung so gut wie von allein einstellt, dafür sorgt schon die erste Single des Albums "Open Eye Signal".

Begleitet von einem epischen Video, das über die gesamte Track-Länge von fast neun Minuten eher daherkommt wie ein kurzfilmiger Roadtrip, ist "Open Eye Signal" ein würdiger Repräsentant des Hopkin’schen Schaffens. Denn das setzt vor allem auf den Faktor Zeit. Das gilt übrigens nicht nur für die Geduld und Akribie, mit welcher der Produzent im Studio zu Gange ist; sondern hat vor allem mit der schieren Länge seiner Stücke zu tun. So trivial das ist – um überhaupt so etwas wie Wirkung entfalten zu können, brauchen bestimmte Klangphänomene schlicht (ihre) Zeit. Hopkins gibt sie ihnen. Und die Ausdauer wird belohnt. Je länger man Schokolade rührt, desto besser schmeckt sie.

Kein Wunder also, dass die Hälfte aller Tracks auf "Immunity" Überlänge haben. Keine Längen wohlgemerkt. Dass selbst das zwölfminütige "Sun Harmonics" wie ein Ausbund an Kurzweiligkeit erscheint, das wiederum ist der andere großartige Verdienst Hopkins', gewissermaßen ein Meister gut klingender Zeitverschwendung. Dabei ist ihm übrigens jedes Mittel recht: Auch wenn die Ulrich Schnauss-igeren Teile des Albums ("Immunity" & "Abandon Window") sowie die schon genannten Oberkracher diesen Eindruck erwecken – nur antichambrieren will Hopkins nicht. Dazu sprechen insbesondere das irritierend laute "Collider" und die mal langsamer ("Form By Firelight"), mal schneller ("We Disappear") scheppernden Rumpelrhythmen eine ganz andere Sprache.

Obwohl "Immunity" unzweifelhaft ein technoides Album ist, hat Hopkins' Entwurf mit Techno herzlich wenig am Hut: Zu organisch das Klangspektrum, zu wenig funktionell der Ansatz, zu absonderlich die Dramaturgie jedes einzelnen Tracks. Warum sind solche Sounds so selten?

photo: Steve Gullick

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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