Ex Portland – „DRRT“ von Lost Lander

Portland ist wunderschön. Muss es sein. Wie anders ließe sich Lost Landers jüngstes Album erklären? Wer oder was, wenn nicht das milde Klima, die europäische Atmosphäre und der charmant-grüne Flair an der Grenze zwischen Kreisstadt und Metropole können sonst für "DRRT" verantwortlich gemacht werden?


Lost Lander DRRT

 

Glad I Did Recordings 21. August 2012

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | HHV


Natürlich hat die Stadt am Columbia River nicht den Einfluss, den ihr die einführenden Worte unterstellen. Dennoch ist es wohl alles andere als ein Zufall, dass Calypso aus der Karibik und nicht aus Nord-Norwegen stammt. Und in genau diesem nicht zufälligen Sinne darf auch eine Verbindung zwischen der größten Stadt Oregons und Lost Lander hergestellt werden. Immerhin sind sowohl Matt Sheehy als auch Brent Knopf, die beiden Lost Lander Protagonisten, in Portland zu Hause. Seit Jahren kennt und hilft man sich; die kleine aber feine Portlander Szene ist übersichtlich genug. Menomena und Ramona Falls gehören zu ihren Aushängeschildern.

Knopf, mit dem sich Sheehy in Sachen Musik immer wieder beratschlagte, war bzw. ist in beiden Formationen aktiv. Es war also nicht einmal eine Frage der Zeit, sondern eher eine der Gelegenheit, bis die beiden sich für ein gemeinsames Projekt zusammenfinden würden. In Scott Magee und Sarah Fennell hatte man die Mitstreiter mit dem höchsten Ergänzungspotential schnell ausgemacht. Gemeinsam und Song für Song wurden die Grundfeste aus den vorrangig instrumentalen Skizzen Sheehys extrahiert, zu Ende gedacht und eingespielt.

Das Ergebnis ist mindestens so exquisit wie ein gelungener Weihnachtsstollen. Während Gesang und melodischer Reichtum ganz automatisch Coldplay-Assoziationen auslösen, erinnern der freie Umgang mit Songstrukturen und die Experimentierfreude bei der Fusion zwischen Analogem und Elektronika stark an die frühen Yeasayer. Das gilt für die Rhythmus-Sektion umso mehr. Der verzerrte Bass sowie die polternden und gerade deswegen überdurchschnittlich groovenden Drums wirken hier fast wie eine Sound-Signatur.

Auch der sichere Instinkt für den Moment, an dem es reicht mit der Experimentiererei, eint die beiden Gruppen. Im Gegensatz zu den Klangalchemisten von der Ostküste sind diese Fühler bei den Port-Lost Landern popmusikalischer noch feiner, sensibler eingestellt. Die Polyrhythmik von "Your Name Is A Fire",  der Belcanto auf "Dead Moon" und "Wonderful World"s Zurückgenommenheit stehen dazu nicht im Widerspruch. Das Gegenteil ist der Fall: diese Ausnahmen von der Ausnahme regeln die Bestätigung. Hervorragend.

Fakt ist aber auch, dass "DRRT" mit "Cold Feet" und "Afraid of The Summer" zwei Stücke bietet, die als erste unter Gleichen ins Ziel kommen. Ersteres, weil dem weltumarmenden Gestus dieser Hymne nicht zu entkommen ist. Letzteres, weil Thema, Text und Tragik sich selten in einer derart gelungenen Dramatik an die Hände genommen haben. "I’m afraid of the summer, cause you know I can’t swim / I get lost in the water, when the Tide pulls me in". Und dann poltert’s los.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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