Kozes Bruder im Geiste – „Family Vacation“ von Axel Boman

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"I woke up with your name on my lips" tönte es von Bomans Durchbruch-Maxi "Holy Love". Obwohl aus (nur) drei Stücken bestehend, bestach die Veröffentlichung auf DJ Kozes Pampa Records durch ihre enorme Bandbreite. Dass Boman dieses Kunststück auch im Langspielformat beherrscht, beweist er nun mit seinem Debüt-Album "Family Vacation".

Axel Boman
Family Vacation
Studio Barnhus / Rough Trade
29. November 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Ob Disco, Dance oder Down-Beat - der schwedische Beau ist ein intuitiver Überzeugungstäter, dem reichlich schnuppe zu sein scheint, was andere von ihm erwarten. Eine gute Idee zählt mehr als eine perfekte Produktion; ein zündender Hook sticht jede noch so funktionale Track-Architektur. Weil dieser Ansatz ihn mit einer kleinen Handvoll Gleichgesinnter eint, wäre eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit DJ Koze nur eine Frage der Zeit gewesen – selbst ohne "Holy Love". Was um Gottes Willen nicht heißen soll, auch nur ein einziger Aspekt an "Family Vacation" käme irgendwie lieblos zusammengeschustert oder gar unausgegoren daher. Der Eindruck von Stücken wie dem besinnlichen "Barcelona" oder dem Lo-Fi-Kleinod "Bottoms Up" ist eher, dass Boman mit kleinen Ungenauigkeiten sehr viel besser leben kann, als mit einem totproduzierten Hochglanz-Abzug. Seine Hörer übrigens auch­.  

Natürlich handelt es sich bei "Family Vacation" um eine unmissverständlich elektronische Scheibe. Mehr als die Hälfte der Tracks leben zu ganz wesentlichen Teilen vom 4-2-The-Floor-Prinzip jenseits der 120 BPM. Boman loopt alte Soul-Samples, bis die Schwarte kracht. Und trotzdem: Mit jedem neuen Hördurchgang verstärkt sich der erste Eindruck, dass Understatement, Los- und Weglassen-Können, sprich soundtechnische Zurückhaltung bisweilen besser kommt als das Gegenteil. Es dürft mittlerweile klar sein, dass diese Ästhetik bei Boman nicht erst mit dem Klang der Bassdrum anfängt; und genauso wenig mit dem rigorosen Verzicht auf die so genante DJ-Rampe aufhört.

So vorweihnachtlich das Knister-Sample auf der ersten Single "Fantastic Piano" auch anmutet - zu den Höhepunkten des Albums gehören aus den eben genannten Gründen andere Songs. Wie zum Beispiel das hinter- und untergründig pumpende "Dance All Night"; das theoretisch auch auf "Amygdala" nicht unpassende "Hello"; oder auch das mit Stimming wahlverwandt scheinende "Animal Lovers". Überhaupt ist anzumerken, dass über die Länge des gesamten Album eine gehörige Portion Space-Disco mitschwingt – schwer festzumachen, ob dieses Phänomen vor allem auf die warme und organische Produktion zurückzuführen ist, oder ob sich der Einfluss von Todd Terje, Lindstrom und Prins Thomas in einer generellen und humorvollen Zwanglosigkeit zeigt. Soviel ist klar: Bomans "Family Vacation" ist Tanzmusik für Zuhause. Und erfüllt damit alle Erwartungen, die man an Elektronik im Album-Format haben kann.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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