Fleißige Noten-Bienen – „Hivemind“ von Plank!

PLANK!

Was ist bloß los im Sommer 2014? Lana Del Rey erfreut neben Botox-Grossisten jetzt auch Kritikerherzen, Brasilien würde die WM nach dem Halbfinale gerne doch noch kurzfristig absagen und Plank! liefern mit "Hivemind" das zweite hörenswerte Instrumental-Rock-Album innerhalb einer Woche ab.

Plank!
Hivemind
Akoustik Anarkhy / Hoanzl
04. Juli 2017
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Plank! kommen aus Manchester und sehr viel mehr ist über das zumindest auf "Hivemind" erstaunlich vollmundig klingende Trio eigentlich nicht in Erfahrung zu bringen. Ob gewollt oder nicht – Gitarrist Dave Rowe, Bassmann Ed Troup und der Mann hinterm Schlagzeug, Liam Stewart, lassen ausschließlich die Musik für sich sprechen. Konsequent ist das auch insofern, als dass es sich bei Plank! um eine Instrumental-Combo handelt, der bekanntlich kaum etwas anderes übrig bleibt. Davon könnten natürlich auch Brontide das ein oder andere Lied singen, hätten nicht auch sie mit "Artery" ein Album voller Instrumentale veröffentlicht.

Und wo wir gerade dabei sind: Erstaunlich am Vergleich der beiden britischen Trios ist, wie unterschiedlich am Ende klingt, was unter augenscheinlich ähnlichen Bedingungen entstand. Denn wo Brontide mathematisch hochkorrekte, dennoch aber sehr klassische bzw. traditionelle Gitarrenmusik betreiben, sind es Plank!, die mit ihrer Experimentierfreude Mut zum Risiko beweisen. Das gilt für die Bandbreite der Genres, mit denen sie mal mehr und mal weniger offensichtlich liebäugeln, genauso wie für Stolperrhythmen und Primzahlmetren, auf denen aufbauend sie ihre Grooves entwickeln.

Folgerichtig ist die Menge der gefühlten Klang-Assoziationen noch ein wenig unübersichtlicher als bei ihren Londoner Kollegen. Das fünfviertelige "Grasshopers From Mars" geht als Pink Floyd Demo ebenso gut durch wie als unveröffentlichter Tool-Track. Das vom Tanzflur beseelte "Aphidelity" weckt Erinnerung an PTTRNS. Andererseits hätte "Swarm Behaviour" so auch von Helmet kommen können. Und das gitarrenlose "Metamorphosis" als Jam-Sessions von der Caribou-Live-Band. Dieser Songs ist es übrigens auch, der das Album wie in zwei Hälften teilt; mit Ausnahme des letzten Stücks dominieren auf der zweiten Albumhälfte die ebenfalls von Dave Rowe verantworteten Keyboards und Synthies. Ihr Rolle ist zwar auch auf den ersten paar Stücken keinesfalls zu unterschätzen – tragen sie doch erheblich dazu bei, dass Plank! so dick und fett und symphonisch klingen, wie es sich für ein Trio eigentlich nicht ziemt. Dennoch ist die relative Absenz typischer Sechs-Saiter-Sounds ein wahrer Ohröffner. Und das soll Math-Rock sein? – Ja, Mann. Seien wir doch froh, dass Bassisten wie Ed Troup mehr sein dürfen als Tiefton-Statisten.

Bei allem Respekt für die offensichtliche Musikalität des Trios bleibt die mangelnde Memorierbarkeit ihrer kreativen Ergüsse dennoch ein Manko. Bestimmte Klänge oder ganze Songs zu verinnerlichen heißt auch, sie vor dem inneren Ohr abrufen zu können. Das dürfte sich auf "Hivemind" selbst bei dem nur anderthalbminütigen "Cricket" als ganz schön schwierig erweisen. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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