Freak in homöopathischen Dosen – „Sleepover“ von Socalled

dolgin

Bands und Interpreten, die sich voller Absicht im Abseits positionieren, dienen in der Regel nicht als Anspielstation. Bei Joshua David Charles Dolgin aka Socalled ist das anders. Überzeugen kann man sich davon auf seinem neuen Album "Sleepover".

Socalled
Sleepover
Membran / Believe
24. Mai 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

In Montreal, seiner Heimat, hätte Dolgin schon längst einen Stern – wenn man sie denn dort vergeben würde. Es tröstet, dass, was noch nicht ist, immer noch werden kann. Und bis dahin dürfte Socalleds Ruf auch hierzulande nachhallen. Auf offene Ohren würde der Multi-Alleskönner soweiso stoßen. Sein irgendwie anarchischer aber keineswegs gewollt-anders-klingender Flicken-Pop erinnert an das beste zwischen Beck und Stereo Total.

Dass er sich bei seinem humorvollen Pop-Ansatz nicht verhebt, dafür sorgen vor allem die ungefähr 34 Gäste, denen er sich bei den Aufnahmen zum Album bedient hat. Neben den großen Namen, deren Beiträge diese Größe kaum rechtfertigen – Irving Fields, Fred Wesley, Roxanne Shanté, Chilly Gonzales etc – ist es mit großem Abstand vor allem der Gesang Katie Moores, der "Sleepover" die nötige Klasse verleiht. Gleichzeitig ist ihre Stimme der Garant für eine Ernsthaftigkeit, die Socalled enorm wohltuend von Pop-Komödianten wie Das Racist, Richard Cheese und Tenacious D. unterscheidet.

Genauso wahr ist deswegen auch, dass Dolgin gar keine Intention hat, sich über Pop bzw Popmusik lustig zu machen. Wenn überhaupt, dann machen Songs wie "Richie", "Silent Treatment" und "UNLVD" unmissverständlich klar, wie heftig Dolgin für eingängigen Pop schwärmt. Wenn überhaupt, dann besteht Dolgins einziges Anliegen darin, den Pop (ja, den!) aus seiner industriellen Zwangsjacke zu befreien, um dessen Künstlichkeit in aller Kindlichkeit und Naivität feiern zu können. Kein Wunder also, dass sich mit "Kid Again" ein Song auf dem Album findet, der dieses  Vorhaben vorbildlich zusammenfasst. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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