Funky, Flüchtig, Phänomenal – „Joined Ends“ von Dorian Concept

Red Bull Music Academy Barcelona 2008

Neuneinhalb elektronische Kompositionen, zweieinhalb Interludes - und das alles von einem Österreicher, der seit 2011 via dem zum Gütesiegel erstarrten Label Ninja Tune veröffentlicht – wo die Fakten für sich sprechen, muss anderes zwangsläufig außen vor bleiben. Deshalb: Auf zur Besprechung von Oliver Thomas Johnsons "Joined End" Album als Dorian Concept.

Dorian Concept
Joined Ends
Ninja Tune / Rough Trade
17. Oktober 2014
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

30 Jahre alt ist der gebürtige Wiener Oliver Thomas Johnson in diesem Jahr geworden. Dass es sich bei "Joined Ends" (erst) um Album Nummer zwei handelt, ist einer von zahlreichen Umständen, aus denen der Autor die Andersartigkeit des auch als Live-Keyboarder von Flying Lotus fungierenden Künstlers herauslesen zu können glaubt. Immerhin bringt der an der Schnittstelle zwischen Nullen, Einsen und klassischer Offline-Akustik Geborene seit 2005 ganz regelmäßig Musik heraus. Dabei auf das Album als ein weitaus weniger inflationäres Veröffentlichungsformat zu setzen und damit seine Besonderheit noch zu unterstreichen, ist nicht nur ein guter Move. Es ist einer, der von Traditionsbewusstsein zeugt.

Immer vorausgesetzt, "Joined Ends" hält, was das Album-Format verspricht. Das Problem ist nur: Selbst wenn es das tut – wie findet man’s raus? Dorian Concept ist nicht nur entwickloungstechnisch ein Bedroom-Producer par excellence. Seine über jedwede Genre-Grenze erhabene Klangästhetik zwingt jeden einzelnen Hörer, sich neue und gültige Bewertungsmaßstäbe zu suchen; der Autor miteingeschlossen. So wie "Ann River, Mn" könnte auch eine Maxi auf Hemlock beginnen – mit dem feinen Unterschied, dass Dorian Concepts Bassmusik ohne Bass auskommt; bzw. diesbezügliche Erwartungen schürt ohne sie jemals zu erfüllen. Mit "Mint" leistet er einen fast besinnlich zu nennenden Footwork-Beitrag, der auch DJ Rashad ein Grinsen entlockt hätte. Ganz im Gegensatz zum beklemmenden "Draft Culture" – dem einzigen ein wenig unheimlich wirkenden Track auf "Joined Ends".

Spätestens bei "Nest Nest" dürfte sich kein Hörer mehr über Johnsons Idiosynkrasien wundern – Ambient mit Rhythmus geht also doch. "Few" und "Trophies" endlich machen deutlich, dass Shigeto, Toro y Moi, Marley Carroll und Paul White als Wahlklangverwandte nicht so eingebildet sein müssen, wie zunächst noch vermutet. Schlussendlich bereitet "11.04.2012" der einzigen Konstante des Albums - dem Broken Beat Roten Faden - ein Ende. Das von Synthie-Schichtwechseln und gekonnten Experimenten an diversen Tasteninstrumenten dominierte Werk stört nicht als Klangtapete. Aber genau als solche hinterlässt sie keinen bleibenden Eindruck. Der wird nur solchen Hörern zuteil, die sich auf die durchkomponierte Dreiviertelstunde mit allen fünf Sinnen einlassen.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.