FÜR UMME? MUSS MIT! – „SURF“ von Donnie Trumpet & The Social Experiment

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Die Behauptung, ein schlechter Chance The Rapper Track müsste erst noch erfunden werden, gilt natürlich auch für die 16 Songs auf "Surf", dem Debüt-Album von Donnie Trumpet & The Social Experiment. Die eigentlich spannende Frage wäre, ob Donnie und sein Sozial-Experiment sich das Gütesiegel auch ohne Chance verdienen?

Donnie Trumpet & The Social Experiment
Surf
Donnie Trumpet & The Social Experiment
29. Mai 2015
8 / 10
Erhältlich bei iTunes | DonnieTrumpet.com

Apropos dumme Fragen – und: ja, die gibt es wirklich. Chance The Rapper ist der Frontmann und damit festes Mitglied von Donnie Trumpet & The Social Experiment. Sich zu überlegen, zu was seine Band ohne ihn in der Lage wäre, ist vermutlich so sinnfällig wie die Frage, was aus Led Zeppelin wohl ohne Robert Plant geworden wäre – kein mindestens durchschnittlich vernunftbegabter Mensch würde je auf so etwas kommen.

Zurück zu den Tatsachen: "Surf" ist eine Hip Hop Platte. Oder doch nicht? – Denn abgesehen von der Grundzutat Rap, die nicht nur der Protagonist Chance immer wieder gekonnt unter den Musikteig mischt – Gäste vom Kaliber Busta Rhymes und Big Sean sprechen Bände – erinnert bei Donnie Trumpet & The Social Experiment herzlich wenig an das Konzept von Two Turntables And A Mic. Samples? – Klar, aber die werden selber eingespielt. Einen klassischen DJ gibt es gleich gar nicht. Und die an Ennio Morricone und Don Cherry zugleich erinnernde Instrumentals wie "Nothing Came To Me" und "Something Came To Me" dürfte auf einer Hip Hop Scheibe genauso ein Novum sein – vorausgesetzt, es handelt sich um eine.

Das Hip Hop Not Hip Hop Ding hat 35 Jahre nach der Erfindung des Genres natürlich längst Tradition: Die angeblichen Hippie Hopper von De La Soul, die mystischen Digable Planets, die Landfrauen und –männer-Kommune Arrested Development und in gewissen Ausmaß sogar die Roots. Donnie und Chance treten aber nicht nur in die Fußstapfen dieser Wegebner, sondern erweitern das Klangspektrum um entscheidende Aspekte. Da wäre zum Beispiel die soulige Jam-Session-Atmosphäre, die  sich vor allem auf den Tracks mit überdurchschnittlicher Chor-Beteiligung bemerkbar macht. Das leicht unfertige, polterige und rumpelnde der Produktion, das zunächst überhaupt nicht kompatibel scheint mit dem Einsatz solch zeitgeistiger Mittel wie Autotune. Die Tatsache, dass es keine erste Geige, wohl aber eine erste Trompete gibt.

Was fehlt, sind mehr in sich geschlossene Songs wie das überragende "Sunday Candy". Besseres, weil zwingenderes Songwriting. Ein wenig mehr rhythmische Abwechslung – der superslowe Halftime-Beat wird auf "Surf" zu inflationär eingesetzt. Und ein hochwertigeres Aufnahmestudio.  Das war’s schon.

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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