Gefälligst sperrig – „Highwire Haywire“ von Max & Laura Braun

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Wenn irgendwas "haywire" geht, dann bedeutet das meist nix Gutes. Schon gar nicht, wenn es einen Drahtseilakt betrifft. Insofern verwundert schon, dass die Geschwister Max & Laura Braun ihr zweites Album "Highwire Haywire" genannt haben – denn musikalisch ist das weder eine gewagte Gratwanderung noch ein übergeschnapptes drunter & drüber.

Max & Laura Braun
Highwire Haywire
Interbang Records / Broken Silence
20. März 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV
 

Im Gegenteil: Verglichen mit ihrem Debüt "Telltale" wirkt "Highwire Haywire" dichter, konziser, auf-den-Punkter. Was vor allem dem in Nuancen veränderten Instrumentarium geschuldet ist: Gitarren und gitarren-ähnliches in Hülle und Fülle, ein präsenter und dennoch unaufdringlicher Bass, sowie ein paar dezente Akzente mit dem Jazz-Besen. Und das war’s auch schon. Orgel? – Hat wohl einfach nicht mehr auf’s Band gepasst. Country-Rock-Schlagzeug mit Backbeat? – Sollen die mal in Nashville machen.

Mag der klangtechnische Striptease hin und wieder auch als Wagnis gelten (im musikalischen Pendant zum Adamskostüm fühlt sich ja höchsten John Cage wohl) – die weitere Beschränkung des auch vorher schon nicht wirklich üppigen Sound-Sortiments ist für die Musik Max & Laura Brauns ein Segen. So paradox es sich anhört: Tatsächlich entpuppt sich die Limitierung als Chance, als Option zu noch mehr Freiheiten. Und von denen macht das Geschwisterpaar ebenso Gebrauch wie der Ostblock seit dem Herbst 1989.

Ob rhythmisch, wie in "Beyond The Houses", melodisch, wie auf "The Weatherman" zu hören, oder eben harmonisch wie bei "While I’m Asleep". Damit aber nicht genug. Mit dem bordun-bassigen "Tired Years" legen die beiden den mit Abstand längsten Song ihrer gemeinsamen Schaffensperiode vor. Und wenn "Time Is Taking All Of My Time" mit seinen digitalen Percussions und der Gabor Szabo Gedächtnis-Gitarre kein Klangexperiment ist, dann weiß der Autor auch nicht weiter. Sehr schön.

Zumindest für Klangliebhaber und Musikinsider. Gleichwohl steht das gerade attestierte Künstlerisch-Wertvolle in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zu der damit einhergehenden Mainstream-Fähigkeit bzw. -Zugänglichkeit. So wohlklingend volksnah, musikologisch elegant und atmosphärisch stimmungsvoll die insgesamt 10 Songs auf "Highwire Haywire" auch klingen – memorierbare und damit nachsingbare Refrains oder andere gern als Hook bezeichnete Passagen finden sich hier nicht. Im Gegenteil: Sperrigkeit à la Marika Hackman, Tom Waits Spätwerk und Junips Verkopftheit ist (eigentlich) stets präsent. Im Sinne eines Berliner Bürgermeisters a.D.: Und das ist auch gut so.

Foto: David San Millan

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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